30.10.2013

Forum Wellpappe 2013

Mehrwert in der Lieferkette

 

„Die Verpackung beeinflusst jede Stufe der Lieferkette“, sagte Marcel Ströhmer, Spezialist für Verpackungs- und Handelslogistik vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML auf dem Forum Wellpappe 2013. Mit der richtigen Verpackung aus Wellpappe kann demnach sowohl der Material- als auch der Informationsfluss effizient gesteuert werden – ein deutlicher Wertschöpfungsbeitrag zum modernen Supply Chain Management.

 

Das ist eine der zentralen Erkenntnisse der Expertendiskussion auf dem diesjährigen Forum Wellpappe. Neben Marcel Ströhmer diskutierten auf dem Podium  Dr. Jan Klingele, Vorsitzender des Verbandes der Wellpappen-Industrie e. V. (VDW), Thomas Maiwald, Quality Management Goods Packaging Development/Abteilungsleiter Verpackung, real,- SB-Warenhaus und Jürgen Otersen, Manager Logistics Operations, bei Mondelēz International über den Mehrwert, den Transport- und Regalverpackungen in der Lieferkette erzeugen können. Geleitet wurde die Gesprächsrunde von TV-Journalist Stefan Schulze-Hausmann. Rund 350 Besucher verfolgten eine Diskussion, die sich mit folgenden Aspekten der Wertschöpfung in der Lieferkette besonders intensiv befasste: Warenidentifikation, Prozessoptimierung und Produktschutz sowie In-Store-Handling.

 

Häufig gehen auf dem Transportweg oder in den Lägern Waren verloren, weil die Verpackung nicht deutlich genug Auskunft über ihren Inhalt gibt. Das kostet viel Zeit Geld. Besonders ärgerlich ist, wenn dadurch Lücken im Regal entstehen und Kundenwünsche nicht erfüllt werden können. In einem Filmbeitrag informierte Jörg Pretzel, Geschäftsführer von GS1 Germany, Gäste und Podium über die Auswirkungen mangelhaft gekennzeichneter  Transportverpackungen. „Wir haben festgestellt, dass Out-of-Stock für den Handel ein ernsthaftes Problem darstellt. Etwa 4,5 Prozent vom Umsatz gehen verloren, weil Mitarbeiter die Ware im Filiallager nicht schnell genug finden, um die Regale rechtzeitig nachzufüllen. Hier können bedruckte Wellpappenverpackungen eine wesentliche Hilfestellung leisten.“

 

Thomas Maiwald von real,- bestätigt das Problem: „Im Back-Store-Lager gibt es tatsächlich noch viele braune Kartons, gerade im Non-Food-Bereich. Häufig weiß man, dass die Ware sich im Markt befindet, sie steht aber nicht im Regal. Manchmal stellt man erst nach aufwändiger Suche fest: Die steht im Lager.“ Diese Situation ist für Einzelhandel und Konsumgüterhersteller gleichermaßen inakzeptabel. Jürgen Otersen von Mondelēz International betonte, dass zur Lösung dieses Problems alle Partner an einem Strang ziehen müssten. „Regallücken sind das Schlimmste, was passieren kann – sowohl für uns als auch für den Handel“, so Otersen. „Wir arbeiten bei der Kennzeichnung oft mit Color-Kodierungen. Bei Milka ist das schon einfach, weil die Farbe gelernt ist und deshalb im Lager sofort gefunden wird. Bei einigen anderen Produkten sehen wir dazu noch Potenzial.“

 

Verpackungen aus Wellpappe bieten wirksame Möglichkeiten, das rasche Auffinden im Lager deutlich zu verbessern. „In den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil der mehrfarbig bedruckten Verpackungen vervierfacht“, erläutert Dr. Jan Klingele, Vorsitzender des VDW. „Heute trägt bereits jede fünfte Verpackung ein hochwertiges Druckbild. Wellpappe hat sich zu einem wichtigen Informationsmedium entwickelt. Wir empfehlen den Nutzern unserer Produkte, dieses Potenzial weiter auszuschöpfen. Es macht sich bezahlt.“

 

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Verpackungen diskutierten die Teilnehmer auch beim Aspekt „Prozessoptimierung und Produktschutz“ intensiv. Klingele berichtete über eine VDW-Untersuchung, wonach allein in den Outlets der deutschen Supermärkte und Discounter Schäden im dreistelligen Millionenbereich entstehen – nur aufgrund unzureichender Verpackungen. Dazu Otersen: „Unsere klare Ansage ist: Die Waren müssen immer in der besten Qualität am POS ankommen – und da machen wir auch keine Kompromisse. Wir investieren bewusst in Qualität - auch bei der Wahl unserer Transportverpackung.“

 

Ströhmer warf einen Seitenblick auf den aktuell am schnellsten wachsenden Handelssektor: E-Commerce. Dort liegt die Herausforderung in der Verbesserung der Raumnutzung von Paketen, die meistens direkt in die Hände des Kunden gelangen. „Der Volumennutzungsgrad ist oft sehr niedrig. Er liegt bei 30 bis 35 Prozent – der Rest im Paket ist Luft.“ Das Fraunhofer Institut arbeite daran, das Verhältnis zu verbessern, also die ideale Anzahl unterschiedlicher Verpackungsvarianten und ihre Abmessungen zu ermitteln. Das sei eine komplexe mathematische Forschungsaufgabe: „Hier die richtigen Werte zu ermitteln, ist ähnlich schwer wie beim Lotto ,6 aus 49‘.“

 

Zurück am POS, unterstrich Ströhmer hinsichtlich des In-Store-Handlings die Bedeutung der Logistik auf den letzten 50 Metern: Bis zu 50 Prozent der verpackungsbedingten Kosten in der gesamten Lieferkette fallen in den Verkaufsstellen an. Dieser hohe Wert hänge mit den zahlreichen personalgebundenen Tätigkeiten des In-Store-Handling zusammen: Waren identifizieren, bewegen, auspacken, platzieren, das Zusammenfalten und Entsorgen der gebrauchten Verpackungen. Maiwald ergänzte: „Hier schlagen die Personalkosten zu Buche. Mit einer richtig guten Verpackungslösung kann man bis zu 40 Prozent der aufgewendeten Zeit einsparen, verglichen mit einer klassischen Einzelplatzierung.“

 

Die abschließende Frage von Moderator Stefan Schulze-Hausmann nach seiner Vorstellung von der idealen Verpackung beantwortete Maiwald: „Ich wünsche mir die „David-Copperfield-Box“. Das ist die perfekte Verpackung für Einzelplatzierungen, und die funktioniert so: Ich schiebe die Verpackung mit Inhalt ins Regal, ziehe sie einfach weg – und die Produkte stehen einzeln im Regal.“ Dazu der VDW-Vorsitzende Klingele: „Wellpappe kann fast alles. Dank ihrer Vielseitigkeit und Flexibilität sind der Erfüllung Ihrer Wünsche kaum Grenzen gesetzt.“

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