18.06.2019 – Wellpappe Report 2/2019

Kreislaufwirtschaft? Schon umgesetzt – bei Wellpappe

Dr. Steffen P. Würth, Vorsitzender des Verbandes der Wellpappen-Industrie, zur aktuellen Plastikmülldiskussion

 

Das Forscherteam der „Five-Deeps“-Expedition hat mit seinem Mini-U-Boot im pazifischen Marianengraben mit fast 11 Kilometern unter dem Meeresspiegel einen neuen Tiefseetauchrekord aufgestellt. Und was fand die Besatzung der „DSV Limiting Factor“ beim Aufsetzen auf dem Meeresgrund? Eine Plastiktüte. In der Berichterstattung wird nicht erwähnt, ob die Taucher den Müll aufsammeln und sachgerecht entsorgen konnten. Falls nicht, wird die Tüte dort nach gängigen Schätzungen wohl noch mindestens 10 bis 20 Jahre liegen, bevor sie sich in kleine Teile zersetzt hat.

 

Aber damit verschwinden die Probleme nicht. Das Mikroplastik gelangt über die Nahrungskette der Meeresbewohner schließlich auch wieder zum Verbraucher; bei Testpersonen wurden bereits Kunststoffpartikel im Darm nachgewiesen. Besser sind zweifellos Verpackungsmaterialien, die biologisch abbaubar sind – auch wenn sie nicht in die Natur, sondern in die Wertstoffsammlung gehören. Hätte das Tauchteam im Pazifik eine papierbasierte Verpackung wie Wellpappe gefunden, wäre sie nach wenigen Wochen nicht mehr da. Die Pflanzenfasern des Papiers hätten sich in der Natur vollkommen aufgelöst.

 

Beim ökologischen Verpacken geht es um zwei Dinge. Zum einen dürfen gebrauchte Verpackungen nicht in die Umwelt gelangen, sondern sollten möglichst vollständig gesammelt und verwertet werden. Zum anderen geht es darum, im Sinne einer globalen Kreislaufwirtschaft möglichst geschlossene Stoffströme für Verpackungsmaterialen zu schaffen.

 

Dabei hat das Recycling faserbasierter Verpackungen so etwas wie eine Vorbildfunktion: Wellpappe beispielsweise wird in Deutschland über den Altpapierkreislauf nahezu vollständig erfasst und wiederverwertet. Ohne staatliche Auflagen und Zwangsmaßnahmen übertrifft das Wellpappenrecycling die gesetzlich vorgeschriebenen Wiederverwertungsquoten bereits seit Jahrzehnten. Bei der Wellpappe läuft der Kreislauf wirklich rund: Versandverpackungen von Amazon, die Shelf-Ready-Verpackungen für Konservendosen und die Stanztrays für Joghurts aus dem Supermarkt bestehen durchschnittlich zu 80 Prozent aus recyceltem Material. Neueste Untersuchungen der TU Darmstadt haben ergeben, dass Papierfasern bis zu 25 Mal ohne nennenswerten Qualitätsverlust recycelt werden können.

 

Handel und Industrie suchen mit großem Aufwand nach Lösungen, um die Verwendung von Kunststoffen zu reduzieren und gleichzeitig die Wiederverwertung von Plastik zu verstärken. Werner & Mertz zeigt mit seiner Rezyklat-Initiative eindrucksvoll auf, dass es für Waschmittelverpackungen aus Altkunststoffen einen Markt gibt. Henkel und Procter & Gamble beteiligen sich an der „Alliance to End Plastic Waste“, die vor allem in Südostasien die Verschmutzung mit Kunststoffabfällen bekämpft und den betroffenen Ländern dabei hilft, aus gesammeltem Abfall Rezyklate herzustellen. Nestlé, der weltgrößte Hersteller von Lebensmitteln, hat sich dem Projekt „Stop Ocean Plastics“ (STOP) angeschlossen, um – ebenfalls in Südostasien – mit lokalen Institutionen Kreislaufsysteme zu entwickeln.

 

Bei Umweltthemen sind internationale Initiativen wichtig. Ich möchte jedoch den Blick auch auf die Chance lenken, die sich den Unternehmen aus Lebensmitteleinzelhandel und Konsumgüterindustrie hierzulande bietet: Wo immer es möglich ist, Kunststoffverpackungen durch ökologische Verpackungen aus Wellpappe zu ersetzen. Beispielsweise hat die ebenso praktische wie nachhaltige Tragekiste aus Wellpappe, an vielen Kassen bei REWE, EDEKA und tegut… die Plastiktüte abgelöst. Immer mehr Brauereien gehen dazu über, eine Auswahl ihrer Gebinde in Wellpappen- statt der üblichen Kunststoffkisten anzubieten, teilweise sogar als Mehrwegverpackung. Und beim Online-Lebensmittelversand liegen Innenpolster und Kühlelemente auf Papierbasis voll im Trend – passend zur ökologischen Verpackung aus Wellpappe.

 

Alle diese Verpackungslösungen haben einen unschlagbaren Vorteil: Nach ihrer Nutzung werden aus ihnen über ein bewährtes, marktwirtschaftlich funktionierendes Recyclingsystem neue Papierprodukte, zum Großteil neue Verpackungen. Das ist vorbildliche Kreislaufwirtschaft und macht Wellpappe zum Verpackungsmaterial der Zukunft. Und sollte doch einmal ein Karton in der Natur landen, zersetzt er sich in kurzer Zeit – ein U-Boot jedenfalls wird ihn niemals finden.

 

Ein druckfähiges Foto von Dr. Steffen Würth finden Sie hier.

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