12.10.2017 – Wellpappe Report 3/2017

Gute Noten vom Handel

Transportverpackungen aus Wellpappe schützen die Waren so gut, dass Schäden nur selten auftreten. Das hat das EHI Retail Institute bei einer Umfrage im Lebensmittelhandel im Auftrag des Verbandes der Wellpappen-Industrie (VDW) ermittelt. Die Ergebnisse schildert Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung des EHI, im Interview.

Herr Atzberger, was wollten Sie herausfinden?
Wir haben eine Befragung bei Händlern im Food- und Drogeriebereich durchgeführt um festzustellen, inwieweit Produktschäden oder Verluste im Handel aufgrund unzureichender Verpackungen entstehen. Die Ausgangsthese des VDW war, dass gute Verpackungen kein Kostenfaktor sind, sondern durch ihre Schutzfunktion Kosten wie zum Beispiel Abschriften vermeiden helfen, also die Verpackung eine Investition darstellt.

Wie relevant sind Beschädigungen der Ware im Lager oder beim Transport aus Sicht der Befragten? Und welche Rolle spielen die Transportverpackungen dabei?
Der ausreichende Schutz der Ware entlang der gesamten Lieferkette ist für den Handel von hoher Bedeutung. Denn nur wenn die Ware unbeschadet ins Regal gelangt, wird sie auch vom Kunden gekauft. Selbst minimale Schäden an der Primärverpackung fallen dem Verbraucher negativ auf, daher ist der Produktschutz die Basisanforderung des Handels an die Transportverpackung. Darüber hinaus ist die Transportverpackung aber auch extrem wichtig, um effiziente Prozesse entlang der gesamten Supply Chain zu ermöglichen. Hierfür ist eine anforderungsgerechte Konstruktion der Transportverpackung entscheidend.

Welche Schäden treten in der Lieferkette des Handels auf?
Schäden können auftreten, wenn die Verpackungen nicht stabil genug sind, also die Materialstärke nicht ausreichend ist oder die Verklebungen unzureichend sind. Auch konstruktive Eigenschaften der Transportverpackung wie etwa zu niedrige Traywände, bei denen die Produkte herausfallen können, sind vermeidbare Ursachen für  Bruch oder Beschädigungen. Darüber hinaus gibt es Schäden durch menschliche Fehler, zum Beispiel Rempler mit dem Gabelstapler oder Herunterfallen von Artikeln beim Kommissionieren oder Verräumen der Ware im Regal.

 

Wie gravierend sind diese Schäden nach Einschätzung des Handels?
Nach Auskunft des Handels ist die Schadensquote gering. Sowohl in der Logistik als auch am Point of Sale kommt es vereinzelt zu Bruch oder Beschädigungen, die auch erfasst und abgeschrieben werden. Insgesamt aber sei das Problem im Drogerie- und Food-Trockensortiment  jedoch so klein, dass sich eine systematische Erfassung nach Höhe und Ursache nicht rechnet.

Welchen Beitrag leisten Transportverpackungen aus Wellpappe beim Schutz der Ware?
Wellpappe stellt das Gros der Transportverpackungen im Food-Trockensortiment und Drogeriemarkt. Da die Schutzleistung der Transportverpackung als gut bewertet wird, bedeutet das also: Wellpappe erfüllt diese Anforderungen des Handels. Allerdings ist der Produktschutz nur eine von vielen Aufgaben, die die Transportverpackung sowohl in der Logistik als auch am Point of Sale erfüllen müssen. Die Anforderungen widersprechen sich teilweise – da gilt es jeweils, einen optimalen Kompromiss zu finden. Wichtig ist, dass Konstruktion und Gestaltung der gesamten Supply Chain gerecht werden.

Worauf kommt es bei der Auswahl der richtigen Transportverpackung an, um die Anforderungen optimal zu erfüllen?
Bei der Auswahl ist entscheidend, dass die Verpackung auf die Erfordernisse der gesamten Lieferkette abgestimmt ist. Während zum Beispiel am Point of Sale offen gestaltete und einfach zu öffnende Verpackungen gefragt sind, verlangen Logistiker möglichst geschlossene, kompakte Einheiten, bei denen beispielsweise die Deckel ausreichend befestigt sind. Im Detail zeigen wir die unterschiedlichen Anforderungen in unserer EHI-Studie „Verpackungsanforderungen 2016“ auf.

Vor 13 Jahren hat der VDW über eine Studie die Erkenntnis gewonnen, dass es in den Lägern des Handels und den Outlets zu erheblichen vermeidbaren Schäden kommt, weil zu oft nicht anforderungsgerechte Transportverpackungen eingesetzt wurden. Nach Ihren Erkenntnissen gibt es dieses Problem heute nicht mehr. Wie kommt das?
Die Basisanforderung, nämlich den ausreichenden Schutz der Ware vor Beschädigungen, erfüllen Transportverpackung heute gut. Das hat auch die EHI-Studie „Verpackungsanforderungen 2016“ ergeben, in der wir Handelsunternehmen nach ihren Erfahrungen gefragt haben. Handel, Markenartikler und Verpackungsindustrie haben in der Vergangenheit offenbar erfolgreich daran gearbeitet, den Produktschutz zu verbessern. Wenn dennoch Probleme auftreten, dann eher, weil nicht alle Kriterien der Prozesse im Handel gleichermaßen erfüllt sind. Aufgrund von Zielkonflikten zwischen dem POS und der Logistik kann es beispielsweise zu Schäden kommen, wenn die Transportverpackung zwar für den Abverkauf im Regal optimal ist, aber im automatisierten Logistikprozess Schwachpunkte aufweist. Die Handelsunternehmen arbeiten daran, so etwas zu vermeiden: Einkauf, Logistik, Marketing und Vertrieb stimmen sich immer enger untereinander ab, um von der Industrie Verpackungen zu erhalten, die sämtlichen Anforderungen entsprechen.

Fazit: Wie bewerten Sie die Leistung von Transportverpackungen aus Wellpappe in der Lieferkette des Handels?
Transportverpackungen aus Wellpappe bieten alle Voraussetzungen, um den geforderten Produktschutz zu erfüllen. Die Ausgangsthese des VDW, derzufolge sich die Investition in anforderungsgerechte Transportverpackungen rentieren, wird durch die Ergebnisse unserer Umfrage unterstützt: Offenbar haben Wellpappenhersteller und Abnehmer das Problem in den Griff bekommen, die Schäden in Lager und Outlet minimiert und das vor 13 Jahren identifizierte Potenzial gehoben. Aber wir können uns alle nicht ausruhen. Wichtig ist es, in Zukunft darauf aufzubauen: Wir müssen auch künftig Lösungen dafür finden, um die Effizienz der Prozesse für die gesamte, zunehmend von Automatisierung und Robotern geprägte Supply Chain zu erhöhen.

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