12.10.2017 – Wellpappe Report 3/2017

Bestseller

Dr. Oliver Wolfrum, Geschäftsführer des Verbandes der Wellpappen-Industrie (VDW), zur Entwicklung der Branche

 

Verpackungen aus Wellpappe – vom leichten Milch-Tray im Supermarkt bis zur Maschinenverpackung aus dreiwelliger Schwerwellpappe – sind gefragt wie nie zuvor. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres konnten die  Mitgliedsunternehmen unseres Verbandes arbeitstäglich bereinigt 2,7 Prozent oder 100 Millionen Quadratmeter mehr ihrer Produkte absetzen als im Vorjahreszeitraum. Nach einem verhaltenen Jahresbeginn entwickelte die Nachfrage nach Wellpappenverpackungen zur Jahresmitte eine erhebliche Dynamik. Mit plus 5,6 Prozent zeigte sich das zweite Quartal deutlich stärker als noch im Dezember 2016 von uns prognostiziert. Nach Lage der Dinge bestehen für das Gesamtjahr gute Aussichten, das Vorjahresplus von 1,5 Prozent zu erreichen oder zu übertreffen.

Das Bild reiht sich ein in die Abfolge solider Wachstumszahlen aus den letzten Jahren. Seit der Wirtschaftskrise 2008, die auch in unserer Branche Spuren hinterlassen hat, zeigt der Absatztrend wieder nach oben und knüpft damit an das stetige Wachstum zurückliegender Dekaden an. So hat sich in den vergangenen dreißig Jahren die Menge der abgesetzten Wellpappenerzeugnisse verdoppelt.

Was steckt hinter dieser Erfolgsstory? Drei Faktoren halte ich für besonders maßgeblich. Nummer eins: Wellpappe ist das Rückgrat der Logistik. Wenn Waren produziert, verkauft und konsumiert werden, müssen sie auch von A nach B gelangen: Rohstoffe und Zulieferprodukte in die Fabriken, Shampoo oder Tütensuppen zu Handelskunden oder Endabnehmern. In fast zwei Drittel aller Fälle sind die Produkte in Transportverpackungen aus Wellpappe unterwegs. Wie kein anderes Material verbindet Wellpappe hohe Schutzwirkung durch die stoßdämpfende Wellenstruktur und konstruktive Vielfalt mit Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit. In der Folge spüren die Wellpappenhersteller den wirtschaftlichen Aufschwung an den gut gefüllten Auftragsbüchern.

Zweiter Treiber des Nachfragebooms bei Wellpappenverpackungen ist der weiter wachsende Online-Handel. Nach den im Frühjahr vom Versandhandelsverband bevh veröffentlichten Zahlen ist der Umsatz im E-Commerce im Jahr 2016 um 12,5 Prozent und damit wie schon in den Vorjahren deutlich zweistellig gewachsen. Fast 13 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes wird inzwischen über Bestellungen am PC oder Handy erwirtschaftet.

Trendforscher des Frankfurter Zukunftsinstituts sehen in Wellpappe einen zukunftsfähigen „Supply Chain Enabler“, der den Anforderungen der immer schnelleren und individuelleren Belieferung von Verbrauchern entspricht. In ihrer vom VDW beauftragten Studie „Supply Chain 2025“ heißt es: „Sie (die Verpackung) macht die modernen Supply Chains, wie wir sie kennen, erst möglich, indem sie die Transport- und Lagerfähigkeit der Ware gewährleistet. Die Vielfalt der versendeten Volumina wächst mit stärker individualisierten und vom E-Commerce geprägten Lieferketten.“ Entsprechend seien Variabilität, Stabilität und Retourenfähigkeit der Verpackung gefragt. Eigenschaften, die für Wellpappe charakteristisch sind.

Der dritte Faktor für den Erfolg des Bestsellers Wellpappe ist zugleich der Grund für die guten Zukunftsaussichten unserer Branche: Ich meine die herausragende Bedeutung nachhaltiger Unternehmensführung für alle Wirtschaftsakteure. „Nachhaltigkeit ist einer der wichtigsten Veränderungstreiber in den Märkten. Sie wird von den Konsumenten gefordert, von den Herstellern zunehmend als strategischer Hebel genutzt und sorgt für Innovation in den Supply Chains“, meinen die Trendforscher des Zukunftsinstituts. Ganz oben auf der Agenda stehen Ressourcenschonung und die Verminderung der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen. Im Verpackungsbereich bietet Wellpappe mit einem geschlossenen Stoffkreislauf auf der Basis nachwachsender Rohstoffe beste Voraussetzungen, diese Ziele zu erreichen – und damit ihre Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.

Allerdings hat der Nachfrageboom auch seine Schattenseiten: Der wachsende Bedarf an Wellpappenverpackungen trägt auf der Rohstoffseite zur Verknappung und Verteuerung bei – insbesondere beim Altpapier, das zu etwa 80 Prozent die Basis der in Deutschland eingesetzten Wellpappenrohpapiere bildet. In der Folge haben sich die seit 2012 tendenziell steigenden Preise für das Wellpappenrohpapier in den vergangenen Monaten nochmal deutlich um bis zu 27 Prozent erhöht. Damit klafft die Kosten-Erlös-Schere inzwischen Besorgnis erregend weit auseinander. Für Marktbeobachter ist hier die Grenze des Zumutbaren längst überschritten. Sie sehen Nachholbedarf, damit die Leistungen der Wellpappe und Ihrer Hersteller auch in Zukunft auf wirtschaftlich solider Basis stehen.

Porträt von Dr. Wolfrum zum Download.

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