07.06.2017 – Wellpappe Report 2/2017

Wertpapier im Umlauf

Der Stoffkreislauf von Papier, Karton und Wellpappe nützt vielen

 

Noch nie wurde in Deutschland so viel Papier und Pappe recycelt wie im vergangenen Jahr. Rund 15,4 Millionen Tonnen wurden hierzulande eingesammelt und wieder zu Papier und Verpackungen verarbeitet, zum Beispiel zu Versandkartons aus Wellpappe. Das funktioniert auch deshalb so gut, weil der Stoffkreislauf des Papiers eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz hat und die Mülltrennung inzwischen in der DNA der deutschen Verbraucher verankert ist. Aber vor allem ist das Sammeln und Recyceln ein gutes Geschäft: Pro 1.000 Kilogramm gemischten Altpapiers, wie es in jedem Haushalt anfällt, zahlten Papierhersteller im vergangenen Jahr durchschnittlich 45 Euro. Bei höherwertigem Altpapier wie Wellpappe lag dieser Wert sogar zwischen 80 und 100 Euro. Klar, dass der wichtigste Rohstoff für die Papierindustrie eine begehrte Handelsware ist, von der viele Marktteilnehmer profitieren möchten.

 

Geldquelle für Kommunen

Vor allem die vielen finanziell unter Druck stehenden Kommunen freuen sich über diese Einnahmequelle. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf beispielsweise landen jedes Jahr etwa 16.000 Tonnen Papier und Pappe in den Altpapierbehältern der privaten Haushalte – 67 Kilogramm pro Einwohner. „Bereits seit 2011 schütten wir die Überschüsse, die wir bei der Altpapierverwertung erzielen, an die Kommunen aus“, erklärt Landrätin Kirsten Fründt, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Abfallwirtschaftsverbands Lahn-Fulda. „Pro Jahr konnten wir seither rund eine Million Euro als Erlösbeteiligung an die Kommunen im Landkreis Marburg-Biedenkopf auszahlen.“ Ähnlich sieht es im äußersten Westen der Republik aus. Der Vulkaneifel-Kreis hat 2015 rund 600.000 Euro durch den Verkauf von Altpapier und gebrauchten Kartonagen eingenommen.

 

Auch für zahlreiche Vereine ist die Sammlung gebrauchter Kartons und ausgelesener Magazine eine wichtige Einnahmequelle. So sammelte der MV Weilheilm im südbadischen Tiengen im vergangenen Jahr in einer gut einstündigen Aktion etwa sieben Tonnen Papier, Pappe und Kartonage und erlöste damit 350 Euro. „Seit Einführung der Blauen Tonne 2008 ist es sehr viel weniger geworden, aber es lohnt sich noch immer“, sagt Vereinsvorsitzender Martin Gamp. Im schwäbischen Rottenburg-Ergenzingen rangeln sich mehrere Vereine mit den gewerblichen Entsorgern um den wertvollen Rohstoff und werben mit dem Slogan „Unser Papier für unsere Vereine“. „Das ist für uns eine gute Einnahmequelle“, sagt Christa Richter, die Vorsitzende des örtlichen Musikvereins. „Wenn ich das mit dem Zeitaufwand für die Organisation eines Events vergleiche, dann habe ich mit den paar Stunden Papier einsammeln mehr Geld verdient.“

 

Mehr Wellpappe im Altpapier

Ein Markttrend zeichnet sich deutlich ab: Der Wellpappenanteil am Altpapieraufkommen steigt. „Der E-Commerce-Boom sorgt dafür, dass immer mehr Schachteln und Kartons von Zalando, Amazon und Co bei den Verbrauchern anfallen“, erläutert Dr. Oliver Wolfrum, Geschäftsführer des Verbandes der Wellpappen-Industrie. Etwa drei Milliarden Pakete befördern die Kurierdienste und Expressdienstleister jährlich, den Großteil davon in einer Transportverpackung aus Wellpappe. „Da das Material leicht, trotzdem sehr robust und äußerst variabel ist, gibt es im Versandhandel für die meisten Sortimentsbereiche keine Alternative zu Wellpappenverpackungen“, sagt Wolfrum. „Verbraucher schätzen das Material, da es über den Altpapierkreislauf einfach zu recyceln ist – für Internetversender ein wichtiger Imagefaktor, für die Shopper ein Umwelt-Plus.“

 

Neben Recyclingunternehmen und Kommunen profitieren auch Handel und Industrie vom Geschäft mit der Pappe. Trotz des zunehmenden Online-Shoppings fallen gebrauchte Wellpappenverpackungen vor allem im B2B-Bereich an. Über fünf Millionen Tonnen Wellpappe hat die deutsche Wellpappenindustrie im vergangenen Jahr abgesetzt – über ein Drittel davon an die wichtigste Abnehmerbranche, die Nahrungs- und Genussmittelhersteller. Als Transportverpackungen gelangt ein beträchtlicher Anteil der Wellpappe in den Einzelhandel, wo sie nach Gebrauch gesammelt, gepresst und von Entsorgungsunternehmen abgeholt werden – natürlich gegen Entgelt.

 

Für die meisten Deutschen ist die Mülltrennung in dem Bewusstsein, damit das Recycling zu fördern, der wichtigste persönliche Beitrag zum Umweltschutz. Die aufgeführten Beispiele zeigen, dass insbesondere das Papierrecycling in Wirtschaft und Gesellschaft fest verankert ist – aus guten Gründen: Der Stoffkreislauf des Papiers und papierbasierter Verpackungen funktioniert vorbildlich, ist ökologisch sinnvoll und nützt allen Beteiligten.

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