29.11.2016 – Wellpappe Report 4/2016

Sicher unterwegs mit Wellpappe

Warenschäden kosten Geld und Reputation

 

Zerbrochene Mixed Pickles-Gläser auf dem Boden des Großhandelslagers, angestoßene Müsli-Kartons im Regal oder der gestauchte Versandkarton mit der angeknacksten Festplatte  – Schäden wie diese kommen immer noch zu häufig vor. Sie kosten Geld und beschädigen den Ruf von Herstellern und Handel. „Wir schätzen aufgrund früherer Erhebungen, dass noch immer ein dreistelliger Millionenbetrag pro Jahr an Warenwert durch nicht anforderungsgerechte Verpackungen allein in der Lieferkette des Einzelhandels vernichtet wird“,  so Dr. Oliver Wolfrum, Geschäftsführer des Verbandes der Wellpappen-Industrie e. V.

Ein Sparen an der Verpackung berge das Risiko, Transportschäden und damit Mehrkosten in der Lieferkette des Handels zu erzeugen. Wolfrum verweist darauf, dass Wellpappenhersteller und Prüfinstitute für jedes zu verpackende Produkt passgenaue Anforderungsprofile für die Verpackungsentwicklung erarbeiten. Darin werden Ladungsträger, Transportwege, Umschlag- und Lagerstellen sowie der Einsatz am Point-of-Sale berücksichtigt. Das Ergebnis sind genau auf das Produkt zugeschnittene Verpackungslösungen mit dem richtigen Verhältnis zwischen Materialeinsatz und Schutzwirkung sowie möglicher Zusatzfunktionen als Regalverpackung.

 

Informationsaustausch für bessere Verpackungen

Voraussetzung für die optimale Verpackungsentwicklung ist, dass alle Beteiligten der Lieferkette die notwendigen Informationen bereitstellen. Im Konsumgüterbereich nimmt dabei die Berücksichtigung der gesamten Prozesskette immer mehr an Bedeutung zu. „Logistische Standards müssen früh in die Produktentwicklung integriert werden, wenn funktionierende Transportverpackungen entstehen sollen“, sagt Petra Mostberger, Leiterin Supply Chain Management bei dm-drogerie markt. Der Logistik-Expertin zufolge steigen durch die zunehmende Automation in der Lieferkette des Handels die Ansprüche sowohl an die Stabilität der Transportverpackungen als auch an die Exaktheit der Abmessungen. Transparenz und Zusammenarbeit sind dabei Schlüsselfaktoren für den Erfolg: Mostberger fordert „das Auflösen von Silodenken“ und „die Gestaltung von Kooperationsprozessen“, um den Spagat zwischen maximalem Produktschutz, logistischer Automationsfähigkeit und effizientem Handling in der Einzelhandelsfiliale zu schaffen.

 

Ziel: geschlossenes Lagenbild

Gesprächsbedarf sieht auch das EHI Retail Institute in seiner aktuellen Studie „Verpackungs-Anforderungen 2016“. Insbesondere die Einhaltung der ISO-Modulmaße lässt demnach vielerorts noch zu wünschen übrig. Nur bei 60 Prozent wird diese Norm erfüllt. Das Ergebnis: Ein geschlossenes Lagenbild, das maßgeblich für beste Raumnutzung und Schadensvermeidung ist, erreichen nur 70 Prozent der angelieferten Artikel.

Allerdings sehen die Handelsforscher, die 14 führende Händler befragt haben, auch positive Entwicklungen: „In der automatisierten Handelslogistik wird es immer wichtiger, definierte Verpackungsanforderungen einzuhalten. In den letzten Jahren gelingt dies zunehmend besser“, so ein Kernergebnis der Studie. Dennoch gebe es weiterhin „Luft nach oben“ in Sachen Informationsaustausch zu Verpackungsfragen. Dazu zählt unter anderem die Abstimmung zwischen logistischen Anforderungen und den Aufgaben der Transportverpackung als Verkaufshilfe im Laden.

 

Robuste Verpackungen für große Belastungen

Besonderen Belastungen sind die Transportverpackungen ausgesetzt, wenn sie als einzelne Versandeinheiten auf die lange Reise zu Empfängern weltweit gehen. Gerade der Transport durch mehrere Klimazonen während mehrerer Wochen stellt sehr hohe Ansprüche an den Produktschutz. Für solche Einsatzzwecke bieten Wellpappenhersteller besonders robuste Wellpappensorten und -konstruktionen an, die durch entsprechende Beschichtungen auch gegen das bei starken Temperaturschwankungen entstehende Schwitzwasser schützen.

Bei weltweiten Versandzielen raten Logistikexperten, rund fünf Prozent des Warenwertes für die Verpackung aufzuwenden – beim Versand sehr hochwertiger Produkte wie etwa technischer Teile auch noch mehr. Umfassende Schulung der mit der Warenbewegung befassten Personen und klare Handlungsanweisungen stellen darüber hinaus sicher, dass die verschickten Waren sicher beim Empfänger ankommen. Dr. Wolfrum: „Diese Investitionen rechnen sich. Denn die Kosten für Reklamationen, das Erfüllen von Regressansprüchen und die Kratzer am guten Ruf stehen in keinem Verhältnis zum angemessenen Preis einer sicheren Wellpappenverpackung.“

Drucken Download Word Download PDF RSS