22.12.2014 – Wellpappe Report 4/2014

Produktschutz ist Umweltschutz

Podiumsdiskussion auf der zweiten Konferenz des Forum Ökologisch Verpacken bei GS1 Germany in Köln

 

Ob eine Verpackung ökologisch sinnvoll ist, entscheidet nicht nur ihre Rohstoffbasis und die Art der weiteren Verwendung nach dem Einsatz. Vielmehr ist auch ihre Leistungsfähigkeit während des Einsatzes ein wichtiger Faktor. „Jeder Industriebetrieb ist aufgefordert, seine Waren so zu verpacken, dass sie unversehrt den Empfänger erreichen", sagte Dr. Thomas Rummler, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. „Denn neben der Wiederverwendung von Verpackungen dient natürlich auch eine ausreichende Transportsicherung der Abfallvermeidung. Transportverpackungen sollten so konstruiert sein, dass die Produkte darin optimal geschützt sind und keine Luft transportiert wird." Rummler äußerte sich auf der Podiumsdiskussion „Vorteil Recycling – Ist die Einweg/Mehrweg-Diskussion überholt?", die das Forum Ökologisch Verpacken am 4. November 2014 im neuen Knowledge Center von GS1 Germany in Köln veranstaltete.

 

Warenschäden vermeiden

Diese Einschätzung bestätigte Thomas Gissler-Weber, Geschäftsführender Gesellschafter des Wellpappenherstellers Gissler & Pass, auf Nachfrage des Moderators Florian Fischer-Fabian vom Bayrischen Rundfunk. „Die wichtigste Funktion der Verpackung ist der Produktschutz, und der muss auch unter ökologischen Gesichtspunkten bewertet werden", so Gissler-Weber. „Im Supermarkt verkaufen sich beschädigte Waren nicht und verursachen vermeidbare Verluste. Die Umweltauswirkungen durch Warenschäden, zum Beispiel im Lebensmittelbereich, sind um ein Vielfaches höher als die Effekte, die auf den Einsatz von Verpackungen zurückzuführen sind." Der Verpackungsexperte pflichtete Rummler bei: „Transportverpackungen, die richtig schützen, sind auch gut fürs Klima."

Dabei handelt es sich zumeist um Transportverpackungen aus Wellpappe. Gissler-Weber wies darauf hin, dass Wellpappe mit etwa 70 Prozent Marktanteil unter den Materialien für Transportverpackungen führend ist. Kisten und Faltschachteln aus Wellpappe bestimmen das Bild an fast allen Stationen der Lieferkette – auch weil sie keine Entsorgungsfragen aufwerfen. „Da wir viele Waren aus Übersee beziehen, wäre es ökologisch fraglich, hier Mehrwegsysteme einzusetzen", sagte Marion Sollbach, Leiterin Nachhaltigkeit bei Galeria Kaufhof und Vorsitzende des Umweltausschusses des Handelsverbands Deutschland. „Darum sind zum Beispiel die Textilien aus Asien in Wellpappe verpackt. Das ist für uns sehr vorteilhaft."

 

„Wir setzen auf Kreislaufverpackungen"

Timothy Glaz, Leiter Corporate Affairs von Werner & Mertz, bestätigte die Umweltvorteile von Kreislaufverpackungen, die nicht wiederbefüllt sondern recycelt werden: „Es gibt eine Reihe ökologischer Gründe, die gegen den Einsatz von Mehrwegverpackungen sprechen können – einschließlich der großen Frage der Rückführlogistik. Wir setzen auf Kreislaufverpackungen, die sich hochwertig recyceln lassen." Damit spielte Glaz auf die PET-Recyklat-Initiative für Frosch-Produkte seines Unternehmens an, dehnte seine Präferenz aber auch auf papierbasierte Verpackungen aus: „Es kommt darauf an, dass die eingesetzten Materialien im Recyclingkreislauf keine Spuren hinterlassen – und das gilt auch für unsere Transportverpackungen aus Wellpappe."

 

Papier – das Material der Zukunft

In ihrem Keynote-Vortrag beschäftigte sich Dr. Heike Schiffler, Cluster Leader Environment Europe & Central Asia bei Tetra Pak, vor allem mit den wenig aussagekräftigen Ökobilanzen für Mehrwegsysteme. In der Diskussion bestätigte sie die Leistungsfähigkeit papierbasierter Verpackungen: „Der Rohstoff Papier ist bei einer entsprechenden Bewirtschaftung ein nachwachsender Rohstoff, er kann mehrfach wiederverwertet werden und erfüllt die erheblichen Anforderungen an Stabilität, die wir bei der Befüllung an das Material stellen. Das macht ihn für ein traditionelles und zukunftsorientiertes Unternehmen so interessant."

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