19.09.2014 – Wellpappe Report 3/2014

Schadlos durch die Lieferkette

Berater empfehlen, Verpackungskonzepte gemeinsam zu entwickeln

 

Sicherer Warentransport fängt bei der richtigen Transportverpackung an. Nur wenn die schützende Hülle aus Wellpappe exakt den Belastungen bei Transport und Lagerung der jeweiligen Produkte entspricht, lassen sich Produktschäden vermeiden. „Um die am besten geeignete Verpackung zu finden, ist meist kompetente Beratung durch Wellpappenhersteller gefragt“, sagt Dr. Oliver Wolfrum, Geschäftsführer des Verbandes der Wellpappen-Industrie (VDW). „Insbesondere die Transportverpackung erscheint jedoch vielen Zuständigen in den verpackenden Industrieunternehmen zunächst als der Posten, bei dem am ehesten gespart werden kann“, so Wolfrum weiter.

 

Nicht alle Anforderungen im Blick

Der Grund für diese Sparpolitik ist häufig, dass bei der Verpackungskonstruktion nicht die gesamte Lieferkette berücksichtigt wird. Auch Dr. Michael Lierow und Joris D’Incà, Logistikexperten bei der Managementberatung Oliver Wyman, kennen das Problem: „Transportverpackungen sind oft lediglich für die Beförderung optimiert, nicht aber für vorgelagerte oder darauffolgende Prozesse.“ Doch die Anforderungen an die Verpackung wechseln entlang der Lieferkette: Während es beim Transport in Lkw oder Flugzeug vor allem auf umfassenden Schutz vor Stößen oder hohem Druck durch Stapelung ankommt, sind im Lager und auf den letzten Metern ins Regal vor allem gute Handlingeigenschaften und Reißfestigkeit gefragt. Ein Kompromiss beim Produktschutz rechnet sich daher in aller Regel nicht: Wenn Transportverpackungen die Waren nicht über den gesamten Weg ausreichend gegen Bruch, Druck oder Durchfeuchtung schützen, landen sie statt im Regal schnell wieder als Kosten verursachende Reklamationen beim Versender. Zusätzlich wird in Zentral- und Kommissionierungslagern sowie am Point of Sale der Personalaufwand durch das Handling beschädigter Produkte unnötig erhöht. Gerade diese Handlingkosten sind aber „ein wichtiger Hebel zur Kostenreduktion“, wie Lierow und D’Incà betonen, „denn sie können immerhin bis zu 50 Prozent der gesamten Logistikaufwendungen bei Handelsunternehmen ausmachen.“

 

Richtiges Material, falsche Ausführung

Häufig haben Hersteller wenig Kenntnis von dem, was mit ihren Waren entlang der Lieferkette geschieht. „Das sind jedoch genau die Informationen, die die Wellpappenhersteller brauchen, um anforderungsgerechte Verpackungen zu konstruieren“, weiß VDW-Geschäftsführer Wolfrum. „Denn mit Transportverpackungen aus Wellpappe entscheidet man sich auf jeden Fall für das richtige Material – aber nur auf der Grundlage umfassender Informationen zu den Anforderungen, die Transportwege und Lagerbedingungen an sie stellen, sowie die fachkundige Beratung durch den Wellpappenhersteller wird die optimale Lösung daraus.“ Auch die Logistikexperten von Oliver Wyman empfehlen auf dem Weg zur Entwicklung einer rundum sicheren Verpackung darum, zunächst „Transparenz über alle Transportschritte in der Lieferkette“ zu schaffen.

 

Zusammenarbeit ist das A und O

Anhaltspunkte für den Optimierungsbedarf liefert die systematische Erfassung aller Schäden, die aufgrund unzureichender Verpackungen an verschiedenen Stellen der Lieferkette entstehen. Gleichzeitig wird damit die Grundlage für die gemeinsame Entwicklung optimaler Verpackungskonzepte aller an der Lieferkette Beteiligten geschaffen. Mit der Zeit, so die Empfehlung von Lierow und D’Incà, lassen sich so Standards im Einkaufsprozess für Verpackungen etablieren. Dabei ist der Optimierungsprozess kontinuierlich und sein Erfolg abhängig von der genauen Beobachtung jeder neuen oder verbesserten Verpackungslösung. Rückmeldungen über Produkt- und Verpackungsschäden sollten fester Bestandteil der Kommunikation zwischen Wellpappenindustrie, Herstellerunternehmen und allen weiteren Beteiligten werden.

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