19.09.2014 – Wellpappe Report 3/2014

Luft raus lassen

Die Optimierung von Versandhandelsverpackungen ist aufwändig, lohnt sich aber

 

Zu den Geschäftsgrundlagen des Versandhandels zählt es, dass die Ware unversehrt den Empfänger erreicht. Zur Frage der richtigen Verpackung empfiehlt DHL: „Eine ausreichend robust Außenverpackung ist entscheidend. Besonders zu empfehlen sind stabile Kartons aus Wellpappe.“ Wettbewerber Hermes sieht das ähnlich: „Gerade bei größeren Versandkartons ist Wellpappe bestens geeignet, mit geringem Materialeinsatz eine hohe Stabilität zu erzeugen.“ Weniger einfach sind die Antworten auf Fragen zur optimalen Größe von Versandverpackungen, wie sie Amazon, Otto und Co stellen. Denn für Versandhändler geht es darum, den Transport so sicher und gleichzeitig so effizient wie möglich durchzuführen.

Logistikexperten sind davon überzeugt: Hinsichtlich der eingesetzten Verpackungsgrößen schlummert bei allen Versandhandelsunternehmen ein erhebliches Potenzial. „Wir konnten bei unseren Projekten zur Volumenoptimierung bislang eine durchschnittliche Effizienzsteigerung von 10 bis 12 Prozent erzielen“, sagt Andreas Hörsken, Experte für Verpackungsoptimierung vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML). „Je  größer die Versandmenge, desto höher fallen die Einsparungen aus.“

 

Effizienz gesucht

Es lohnt sich also, das Problem anzugehen. Die Logistik-Fachleute versuchen durch Abwägen von Nutzen und Kosten für die Kunden aus der Versandhandelsbranche das mögliche Optimum zu erreichen. Auf der einen Seite transportiert eine individuell für das Versandgut maßgeschneiderte Verpackung wenig Luft und schützt sehr gut; für den Versender bedeutet das jedoch eine große Vorratshaltung mit einer Vielzahl verschiedener Verpackungen – und damit hohe Kosten. Andererseits verursachen wenige Verpackungsgrößen geringere Beschaffungs- und Lagerkosten und bieten gute Handlings- und Stapeleigenschaften; hier müssen aber neben Abstrichen beim Produktschutz vor allem ökologische Nachteile und Mehrkosten aufgrund der schlechteren Raumnutzung an verschiedenen Stationen der Lieferkette hingenommen werden.

„Theoretisch ist dieser Zielkonflikt durch ein einheitliches Bewertungskriterium zu lösen: die Kosten“, erläutert Hörsken. „Die können aber in der Praxis nicht immer exakt bestimmt werden. Liegen keine Erkenntnisse über die Prozesskosten vor, ist die Bewertung der erhöhten Handlingskomplexität kaum möglich.“ Darüber hinaus lassen sich auch Einsparungen beim Einkauf im Vorfeld nur schwierig voraussehen. Die mangelhafte Datenbasis macht eine Bewertung in Euro und Cent also häufig unmöglich. „Aus diesem Grund optimieren wir meist verschiedene Szenarien, zeigen in den Ergebnissen die verschiedenen Zielgrößen auf und  diskutieren das mit unseren Kunden“, erläutert Hörsken das weitere Vorgehen. „Mit Hilfe dieser Transparenz ist eine objektive Bewertung schließlich doch möglich – auf Basis der Anforderungen und Prioritäten des Kunden. “

 

Sparen durch Umstellung

Versandhändler Otto zeigte jüngst, wie erfolgreich eine Verpackungsoptimierung sein kann. „Die Otto Group hat mit Unterstützung von Hermes Fullfilment ihre Verpackungen analysieren lassen und daraufhin die Versandkartons angepasst“, sagt Dieter Urbanke, Vorsitzender der Geschäftsführung von Hermes Fullfilment. „Sie enthalten seitdem deutlich weniger Luft.“ Durch die Umstellung der Verpackungsgrößen konnte Otto das Transportvolumen bei der Auslieferung um mehr als 500 Lkw-Ladungen pro Jahr reduzieren. „Auf diese Weise werden jährlich 170 Tonnen CO2 eingespart“, so Urbanke weiter. Das bedeutet neben dem beachtlichen Plus für die Umwelt auch eine deutliche Verminderung der Logistikkosten für das Unternehmen.

Eine wichtige Voraussetzung für die Abschöpfung des gewonnenen Effizienzpotenzials ist die Materialbeschaffenheit der Wellpappe. „Ihre Vielseitigkeit erlaubt es, die Verpackung in allen notwendigen Größen zu konstruieren, um die Ergebnisse der Optimierung perfekt umzusetzen“, sagt Hörsken. „Außerdem bietet der Packstoff die Möglichkeit, nach erfolgter Umstellung weitere Verbesserungen vorzunehmen – zum Beispiel durch zusätzliche Rillungen, die den Einsatz einer Verpackung in unterschiedlichen Höhen, passend zur transportierten Ware, erlaubt. Aus guten Gründen ist Wellpappe beim KEP-Versand heute ein De-facto-Standard für Verpackungen.“

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