12.06.2014 – Wellpappe Report 2/2014

Vorteil statt Vorurteil – Kreislaufverpackungen gehört die Zukunft

Von Dr. Oliver Wolfrum Geschäftsführer des Verbandes der Wellpappen-Industrie e.V.

 

Seit vielen Jahren bestimmt das Begriffspaar Einweg/Mehrweg die öffentliche Diskussion um die ökologischen Eigenschaften von Verpackungen. Ihre Karriere in die politische Sphäre hinein haben die Begriffe ihrer scheinbaren Eindeutigkeit zu verdanken. Im einen Fall werde eine Verpackung nur einmal, im anderen Fall häufig genutzt, so die landläufige Vorstellung. Unbeachtet bleiben bei dieser Betrachtung die Rohstoffquellen der verschiedenen Verpackungsmaterialen, die Umweltauswirkungen auf den Transportwegen und insbesondere die positiven Effekte der stofflichen Wiederverwertung gebrauchter Verpackungen.

 

Dass die Einweg-/Mehrwegklassifizierung für die ökologische Bewertung einer Verpackung ungeeignet ist, haben viele wissenschaftliche Untersuchungen – etwa die Ökobilanzen der Flüssigkartonhersteller – klar belegt. Demnach gilt für Getränkekartons, Wellpappe und andere papierbasierte Packstoffe gleichermaßen: Was ganz oder überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen stammt und mehrfach für die Herstellung neuer Verpackungen recycelt wird, erfüllt die Anforderungen an eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Kreislaufwirtschaft und ist daher besonders zukunftsfähig.

 

Politik verharrt in alten Mustern

Dennoch müht sich die Politik weiterhin, Mehrwegsysteme durchzusetzen – insbesondere im Getränkebereich. So hat das Bundeskabinett im Februar die  Verordnung über „Hinweispflichten des Handels beim Vertrieb bepfandeter Getränkeverpackungen“ beschlossen. Mit der Verordnung wird der Handel verpflichtet, ausdrücklich darauf hinzuweisen, ob es sich bei den angebotenen Getränkeverpackungen um Einweg- oder um Mehrwegverpackungen handelt. „Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollen in die Lage versetzt werden, sich bewusst für eine Getränkeverpackung zu entscheiden, die ihren ökologischen Ansprüchen genügt“, heißt es dazu aus dem Bundesumweltministerium. Dass eine Kreislaufverpackung den Ansprüchen häufig ebenso oder noch eher entspricht, lassen die Umweltpolitiker unerwähnt.

 

Hoher Transportaufwand bei Mehrweggebinden

Eine Ende 2013 veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung Deloitte, die von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und vom Handelsverband (HDE) in Auftrag gegeben wurde, macht am Beispiel von Getränkeflaschen für Bier und Erfrischungsgetränke deutlich, dass eine Bevorzugung von Mehrweg nicht gerechtfertigt ist. Dazu trägt bei, dass die Vielfalt an Flaschentypen und damit der logistische Aufwand bei Mehrweg stark zugenommen haben. Außerdem sind die Transportentfernungen größer als bisher angenommen.

 

Ein Blick auf die Getränkedosen zeigt das gleiche Bild: Das unabhängige Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) hat 2010 im Auftrag des Getränkedosen-Interessenverbandes Beverage Can Makers Europe (BCME) eine Untersuchung durchgeführt. Darin haben die Umwelt-Experten festgestellt, dass es keine klare Trennlinie mehr zwischen Einweg und Mehrweg gibt und eine pauschale Bevorzugung von Mehrweg an der Komplexität der Umweltauswirkungen vorbei geht.

 

Kreislaufverpackungen sind ökologisch sinnvoll

Im Fall der Transportverpackungen ist das mit Abstand am häufigsten verwendete Material Wellpappe ein Musterbeispiel für einen ökologisch und wirtschaftlich vorteilhaften Stoffkreislauf. Gebrauchte Wellpappenverpackungen sind kein Abfall, sondern wertvoller Rohstoff. Daher werden sie fast vollständig erfasst und in den Kreislauf zurückgeführt – ganz ohne staatliche Einflussnahme wie bei anderen Sammlungssystemen. Durch permanente Verbesserungen beim Papierrecycling wird der Altpapieranteil bei der Herstellung von Wellpappenrohpapier kontinuierlich erhöht. Aktuell bestehen durchschnittlich 80 Prozent dieser Papiere in Deutschland aus Recyclingmaterialien.

 

Wellpappe wird vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Selbst der Leim wird aus Pflanzen wie Mais oder Kartoffeln gewonnen. Das schont Ressourcen und lässt beispielsweise Wellpappensteigen für Obst und Gemüse im Vergleich mit anderen Verpackungssystemen gut abschneiden. Dies zeigte sich 2008 in einer Studie der IESE Business School der Universität von Navarra. In einer Lebenszyklusanalyse stellten die Forscher fest, dass beim Transport von Tomaten aus Spanien nach Deutschland Wellpappenverpackungen geringere Umweltauswirkungen haben als Mehrwegbehälter aus Plastik. Auch hier macht das Mehr an Weg Mehrweg zur ökologisch ungünstigen Variante.

 

FÖV Konferenz versachlicht Diskussion

Aufgrund dieser Erkenntnisse geht das Forum Ökologisch Verpacken (FÖV) einen weiteren Schritt in Richtung objektiver Diskussion über die Perspektiven der Kreislaufverpackungen. Bei der diesjährigen Konferenz des FÖV diskutieren Experten aus Handel, Industrie, Politik und Wissenschaft über die Vorteile, die das Recyclingprinzip für ökologisches Verpacken bietet, welche Potenziale es noch auszureizen und welche Verpackungs-Mythen es zu entzaubern gilt. Die Veranstaltung mit dem Titel „Vorteil Recycling – Ist die Einweg-/Mehrwegdiskussion überholt?“ findet am 4. November 2014 bei GS1 Germany in Köln statt. Weitere Informationen können unter www.oekologisch-verpacken.com abgerufen werden.

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