09.04.2013 – Wellpappe Report 1/2013

„Die hohe Nachfrage stimmt uns optimistisch“

Interview mit Dr. Jan Klingele, Vorsitzender des Verbandes der Wellpappen-Industrie e. V. (VDW), zu den Jahreszahlen 2012 der Branche

 

Dr. Klingele, wie entwickelt sich das Geschäft der Wellpappenhersteller?

Mit einem arbeitstäglichen Absatzplus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr haben wir 2012 im Rahmen unserer eigenen Erwartungen gelegen. Nach eher schwachen drei ersten Quartalen haben uns die letzten drei Monate 2012 eine deutliche Nachfragebelebung beschert, die sich zum Jahresbeginn 2013 fortgesetzt hat. Da auch die Wachstumskurve der deutschen Exportwirtschaft und andere Wirtschaftsindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex nach oben zeigen, rechnen wir mit weiter steigender Nachfrage und einem Absatzwachstum  von 0,9 Prozent in 2013. Die Stimmung in der Branche ist entsprechend optimistisch.

 

Gilt das auch für die Ertragslage?

Leider nein. Im vergangenen Jahr haben wir zwar etwas mehr Wellpappe verkauft, aber zu durchschnittlich 1,6 Prozent niedrigeren Preisen als im Jahr 2011. Ein branchenweiter Umsatzrückgang um 2,1 Prozent ist daher nicht überraschend, aber alles andere als erfreulich. Mit Blick auf die wachsende Kostenbelastung der Unternehmen in den Bereichen Rohstoffe, Energie und Personal scheint es mir sehr wahrscheinlich, dass Wellpappenhersteller in diesem Jahr vermehrt höhere Abgabepreise für ihre Produkte erzielen wollen. Mit einem Durchschnittserlös von zuletzt 52,5 Cent je Quadratmeter sind wir jedenfalls nicht zufrieden.

 

Welche Kosten belasten die Unternehmen besonders?

Die Beschaffung von Rohstoffen – vor allem Wellpappenrohpapier – ist mit über 50 Prozent Anteil bei weitem die größte Position in unserer Kostenrechnung. Im Vergleich zum Durchschnittswert der letzten fünf Jahre sind die Papierpreise um 8,5 Prozent gestiegen. Hinzu kommen knapp zehn Prozent im Bereich Wartung und Reparatur, rund sechs Prozent höhere Energiepreise und Personalkosten, die um durchschnittlich 4,8 Prozent geklettert sind. In punkto Energie sehen wir und andere Industriebranchen mit Sorge eine Welle von Kostensteigerungen für die EEG-Umlage sowie Steuern und Abgaben auf uns zurollen. So rechnet der Bundesverband der Energie-Abnehmer damit, dass der deutsche Mittelstand im laufenden Jahr durchschnittlich 12 Prozent mehr für Strom als 2012 bezahlen muss.

 

Wie bewerten Sie die langfristigen Entwicklungspotenziale der Branche?

Unsere Produkte leisten an vielen Stellen der Wirtschaft große Wertbeiträge. Deshalb habe ich keine Sorge, dass wir kontinuierlich weiter wachsen werden. Verpackungen aus Wellpappe übernehmen eine Vielzahl von logistischen Aufgaben und Schutzfunktionen in Verbindung mit Kommunikations- und Marketingeffekten. Das gilt für die Lieferkette des Handels ebenso wie für Industrieverpackungen – etwa im exportorientierten High-Tech-Sektor. Aber auch der mit hohen zweistelligen Zuwachsraten stark boomende E-Commerce-Markt wäre ohne leistungsfähige Versandverpackungen aus Wellpappe gar nicht vorstellbar. Die Abnehmer unserer Produkte können sich dabei auf die Innovationsfreude der Branche im Hinblick auf konstruktive Lösungen oder Materialeigenschaften verlassen – und auf die Erfahrung und Verlässlichkeit der Hersteller.

 

Welche Hemmnisse sehen Sie?

Wie andere Branchen auch beobachten wir eine immer schwierigere Situation auf dem Personalmarkt. Vor allem Berufsein- oder Umsteiger und Schulabgänger haben die  Wellpappenindustrie zu selten auf ihrer Liste. Und das trotz vielseitigen Möglichkeiten in kaufmännischen und technisch-kreativen Berufen und hervorragenden Zukunftsaussichten in einer nahezu krisensicheren Branche. Denn obwohl wir in den vergangenen Jahren hohe Produktivitätssteigerungen erzielt haben, konnten wir die Anzahl der Beschäftigten nahezu stabil halten. Wir müssen aber etwas tun, um für junge Leute attraktiver zu werden. Deshalb steht eine Kommunikationskampagne für Azubis dieses Jahr weit oben auf unserer Agenda.

 

Was unternimmt der VDW, um die Marktstellung der Wellpappe zu festigen?

Wir arbeiten langfristig daran, dass die Vorteile der Wellpappe gegenüber anderen Verpackungslösungen bei Abnehmern und Verwendern bekannt sind. Dazu zählen vielfältige Aktivitäten von Online-Kommunikation über Veranstaltungen und Medienarbeit bis zur Anzeigenkampagne, die wir  2012 völlig überarbeitet haben. Die Reaktion unserer Zielgruppen zeigt, dass unsere Botschaften ankommen. Ganz besonders am Herzen liegt uns allerdings, dass der Recyclingkreislauf, wie er für Wellpappe typisch ist, wertgeschätzt wird. Wir meinen, es gibt kein nachhaltigeres Wirtschaftsprinzip, als nachwachsende Rohstoffe einzusetzen und Verpackungsmaterial nach Gebrauch möglichst häufig zu recyceln. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam  mit unseren Partnerverbänden aus Österreich und der Schweiz die Wirtschaftsinitiative „Forum Ökologisch Verpacken“ (FÖV) gegründet. Die erste FÖV-Konferenz ist für den 5. November 2013 am Gottlieb-Duttweiler-Institute in Zürich geplant. Thema: „Zukunftsfähige Verpackung für den Konsum von morgen.“

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Martin Petrich

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