12.09.2012 – Wellpappe Report 3/2012

„Wellpappe ist eine echte Alternative zu erdölbasierten Verpackungen“

Interview mit Jörg Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Umweltstiftung

 

Auf der FachPack 2012 stellt der Verband der Wellpappen-Industrie e.V. gemeinsam mit den Wellpappenverbänden aus Österreich und der Schweiz eine neue Initiative der Branche vor. Das Forum Ökologisch Verpacken versteht sich als Informations- und Dialog-Plattform von Experten und engagierten Partnern, die ein gemeinsames Ziel haben: das Bewusstsein für den Wert der Kreislaufwirtschaft stärken und damit das Recyclingprinzip fördern. Jörg Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Umweltstiftung, berät – neben anderen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – mit seiner Sachkunde und unabhängigen Meinung die Initiative. Im Interview erläutert er Hintergründe seines Engagements.

 

Herr Sommer, warum wirken Sie beim Forum Ökologisch Verpacken mit?

Im Bereich Verpackungen gibt es aus Sicht der Umweltbewegung noch einiges zu tun. Ökologisch Verpacken ist ein hoch gestecktes Ziel und ein sinnvolles Anliegen zugleich. An der Umsetzung beteiligen wir uns aus Überzeugung.

 

Was zeichnet das Forum Ökologisch Verpacken vor anderen Öko-Initiativen aus der Wirtschaft aus?

Aus Sicht der Umweltbewegung sind Wirtschaftsinitiativen dann sinnvoll, wenn sie nicht nur Positionspapiere veröffentlichen, sondern etwas bewirken wollen. Das Forum Ökologisch Verpacken hat ganz konkret das Ziel formuliert, den Stellenwert des Recyclings zu stärken. Das unterstützen wir.

 

Warum halten Sie Recycling für ein unterstützungswürdiges Prinzip?

Die Weltbevölkerung nimmt zu, die natürlichen Ressourcen werden immer knapper. Es gibt zwei Möglichkeiten, um dem Mangel entgegen zu wirken und den Ressourcenverbrauch zu minimieren: erstens die Nutzung nachwachsender Rohstoffe und zweitens das Recycling. Ein gutes Beispiel ist der Altpapierkreislauf, der auch Verpackungen auf Papierbasis umfasst. Es ist ein etabliertes Sammel- und Entsorgungssystem mit hoher Akzeptanz.

 

Wie sieht dieser Stoffkreislauf aus? Inwiefern ist er nachhaltig?

Gebrauchte Verpackungsmaterialien wie Wellpappe und Karton verbleiben nach der Nutzung fast vollständig im Altpapierkreislauf und werden zu Recyclingpapier verarbeitet.Ob ein Stoffkreislauf wirklich nachhaltig ist, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa vom Energieeinsatz bei der Herstellung, der bei papierbasierten Verpackungen zum Beispiel deutlich geringer ist als bei der Produktion von Getränkedosen. Wichtig ist auch der Einsatz Abwasser belastender Chemikalien, von denen bei der Kunststoffherstellung mehr als bei der Papierherstellung anfallen. Auch der Transportaufwand ist entscheidend. Für leichte Wellpappenverpackungen, die nach Gebrauch Platz sparend zusammengepresst werden, ist er denkbar gering.

 

Für Konsumgüterhersteller und Einzelhandelsunternehmen ist Nachhaltigkeit ein Must-have, wie die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie feststellt. Wie wichtig sind vor diesem Hintergrund Recyclingverpackungen?

Aus Marketing-Sicht müssen die Verpackungen natürlich bunt und attraktiv sein, sie sollen Informationen vermitteln, das Produkt in Szene setzen und einfach zu öffnen sein. Das alles können Verpackungen aus Papier bieten. Leider haben sich in letzter Zeit wieder verstärkt Blisterverpackungen in den Regalen gezeigt. Aus ökologischer Sicht ist das nicht sinnvoll. Für Produkt- und Transportverpackungen aus Kunststoff gibt es hervorragende Alternativen aus Karton oder Pappe – es ist wünschenswert, dass solche Konstruktionen die erdölbasierten Verpackungen weitgehend ersetzen. Für Industrie- und Handelsunternehmen wäre eine solche Substitution ein wichtiger Beitrag zum Nachhaltigkeitskonzept.

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