06.04.2011 – Wellpappe Report 1/2011

Der Aufschwung baut auf Wellpappe

Interview mit Dr. Jan Klingele, Vorsitzender des Verbandes der Wellpappen-Industrie e.V. (VDW), zu den Jahreszahlen 2010 der Branche

 

Dr. Klingele, wie hat sich der Wellpappenabsatz im vergangenen Jahr entwickelt?

Das Jahr war für unsere Branche ebenso erfolgreich wie für die gesamte Wirtschaft. Die Mitglieder des VDW, die rund 80 Prozent der deutschen Wellpappenproduktion repräsentieren, haben im abgelaufenen Jahr fast 7,1 Milliarden Quadratmeter Wellpappe abgesetzt. Das sind 462 Millionen Quadratmeter oder 7 Prozent mehr als 2009.

 

Ihr Erzeugnis schwimmt also auf der konjunkturellen Welle?

Ich würde eher sagen: Der Aufschwung baut auf Wellpappe. Unsere Industrie ist ja – nimmt man die Absatzzahlen – mit 7,0 Prozent stärker gewachsen als das BIP mit 3,6 Prozent. Mit der wirtschaftlichen Belebung steigt eben der Bedarf an leistungsfähigen und schnell verfügbaren Packmitteln rapide – und das überproportional. Übrigens hatten wir im vergangenen Jahr keine Probleme, die überraschend stark erhöhte Nachfrage zu befriedigen.

 

Die Krise ist also passé, die Wellpappenhersteller sind rundum zufrieden?

Keineswegs. Zwar sind auch die Umsätze um 12,3 Prozent gestiegen, aber damit konnten wir das Minus von 15,9 Prozent aus dem Jahr 2009 bei weitem nicht ausgleichen. Daran ändert auch die im Jahresverlauf 2010 erzielte Erhöhung der Durchschnittserlöse um 4,9 Prozent nichts. Mit 49 Cent pro Quadratmeter verkaufter Wellpappe können wir keine zufriedenstellende Rendite erwirtschaften.

 

Absatz-, Umsatz- und Ertragssteigerungen – wo liegt das Problem?

Bei den Kosten. Die Schere zwischen Erlösen und Kosten hat sich 2010 noch weiter geöffnet. An den Papierpreissteigerungen von etwa 60 Prozent seit September 2009 haben wir stark zu knabbern – schließlich verursacht das Wellpappenrohpapier die Hälfte unserer gesamten Produktionskosten. Die Papierpreise liegen inzwischen deutlich über dem bisherigen Höchststand von 2007. Grund dafür ist vor allem die starke Nachfrage nach Altpapier: Die Preise für den wichtigsten Rohstoff der Wellpappenrohpapierhersteller stiegen im Jahresverlauf teilweise um über 90 Prozent. Auch der Stärkeleim, den wir zum Verkleben der Papierbahnen einsetzen, ist erheblich teurer geworden: Die Preise für Kartoffelstärke haben sich 2010 mehr als verdoppelt, für Weizen- und Maisstärke müssen wir inzwischen rund 60 Prozent mehr ausgeben.

 

Was bedeutet das für Ihre Branche?

Bislang konnten unsere Mitglieder die Preissteigerungen nur zum Teil an ihre Kunden weitergeben – und das auch nur mit erheblichen Verzögerungen. Alle externen Marktbeobachter, mit denen ich darüber spreche, rechnen daher mit weiterhin steigenden Abgabepreisen für Wellpappenerzeugnisse.

 

Was erwarten Sie für 2011?

Für das laufende Jahr erwarten wir eine Steigerung des Wellpappenabsatzes von etwa drei Prozent. Die Zahlen der ersten beiden Monate bestätigen tendenziell diese Prognose: Auf die Anzahl der tatsächlichen Arbeitstage umgerechnet erreichten wir ein Absatzplus von 2,5 Prozent im Januar und 5,8 Prozent im Februar. Damit liegen wir sogar leicht über unseren Erwartungen, sehen uns aber in unserer Einschätzung bestätigt, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis wir den Einbruch von 2009 wettgemacht haben werden.

 

Eine Grafik zur Preisentwicklung finden Sie hier in niedriger Auflösung (72 dpi / RGB) und hoher Auflösung (300 dpi / CMYK) zur Verfügung. Die Grafik steht zur redaktionellen Verwendung kostenfrei zur Verfügung. Bitte geben Sie als Bildnachweis VDW an. Vielen Dank!

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