21.09.2009 – Wellpappe Report 3/2009

Nachhaltigkeit setzt sich durch

Niedriger CO2-Fußabdruck der Wellpappe basiert auch auf Erfolgen der Papierindustrie

 

„Wir dürfen die Natur nicht übernutzen, vor allem nicht vor dem Hintergrund der Klimaveränderung. Daher ist es gut zu wissen, wie viel CO2 mit einem Produkt verbunden ist", antwortete unlängst Prof. Klaus Töpfer in einem Interview auf die Frage, was er vom so genannten Carbon Footprint (CO2-Fußabdruck) als Bewertungskriterium für die Nachhaltigkeit von Verpackungen halte. Nach Ansicht des ehemaligen Bundesumweltministers und Initiators der Verpackungsverordnung ist Transparenz hinsichtlich des CO2-Fußabdrucks also gut für die Präferenzbildung der Verbraucher – und damit für das Klima.

 

Wellpappe mit niedrigem Carbon Footprint

Erste Forschungsergebnisse tragen dazu bei, die Klimaeffekte von Verpackungen besser einordnen zu können. Wie das unabhängige niederländische Forschungsinstitut Delft 2008 in einer Grundlagenstudie zur Verpackungssteuer in den Niederlanden festgestellt hat, liegt der CO2-Fußabdruck von Papier und papierbasierten Verpackungen durchschnittlich bei 676 kg CO2 pro Tonne – und damit wesentlich niedriger als für die meisten anderen Verpackungen. So hat Stahl ein CO2-Äquivalent von 1.095 kg pro Tonne, Kunststoff von 3.453 kg pro Tonne und Aluminium von 5.570 kg pro Tonne. Die FEFCO, der europäische Verband der Wellpappenhersteller, hat den Carbon Footprint von Wellpappe mit 887 kg pro Tonne berechnet; der Wert liegt aufgrund des zusätzlichen Verarbeitungsschrittes etwas über dem Durchschnitt von Papier und papierbasierter Verpackungen. Grundlage für die FEFCO-Kalkulation sind die Daten der Europäischen Datenbank für Lebenszyklen. Die Ermittlung der CO2-Emissionen umfasst die gesamte Produktionskette von der Rohstofferzeugung über die Packmittelherstellung bis hin zur Lieferung an den Kunden und die Entsorgung der gebrauchten Verpackungen.

 

Was sind die Gründe für den verhältnismäßig geringen Carbon Footprint der Wellpappe und anderer Verpackungen aus Papier?

Die liegen zum Einen im nahezu perfekten Stoffkreislauf dieser Packstoffe. In Deutschland besteht Wellpappe durchschnittlich zu 80 Prozent aus Recyclingmaterial und wird nach Gebrauch fast vollständig der stofflichen Verwertung zugeführt. Zwar schwanken die Werte im europäischen Vergleich etwas, doch überall in Europa ist ein hoher Recyclinganteil und die Verwendung gebrauchter Wellpappe als Rohstoff für die Papierindustrie selbstverständlich. In ihrem Bericht zur Implementierung der europäischen Verpackungsrichtlinie rechnet daher die EU-Kommission die stoffliche Verwertung „zu den kostengünstigsten Optionen, um eine Verringerung der CO2-Emissionen zu erreichen."

 

Papierhersteller senken Emissionen

Zum Anderen profitiert die Wellpappenindustrie von den erfolgreichen Anstrengungen ihres wichtigsten Zulieferers, der Papierindustrie. Nach Angaben der Confederation of European Paper Industries konnte die Branche seit 1990 den Energieverbrauch pro hergestellter Tonne Papier um 10 Prozent senken. Hinzu kommt die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energiequellen wie Biomasse. In der Summe reduzierte die Papierindustrie ihren CO2-Ausstoß pro hergestellter Tonne Papier von 0,52 auf 0,40 Tonnen, also um ein Viertel, was auch den Carbon Footprint von Wellpappe positiv beeinflusst.

 

Geringer Beitrag der Logistik

Bei der Bewertung der Klimaverträglichkeit von Produkten spielt der Anteil der Verpackung allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) veröffentlichte im Juli 2009 ein Positionspapier, in dem er einige Product-Carbon-Footprint-Pilotprojekte skizzierte. Es zeigt sich, dass der Anteil von Logistik und Distribution, in den ja auch die Verpackung fällt, oft einen wesentlich geringeren Anteil am Carbon Footprint hat als andere Bereiche der Wertschöpfungskette. So ergab eine Fallstudie für Tchibo Privat Kaffee Rarität Machare, dass der Transport entlang der Wertschöpfungskette nur für 4,2 Prozent, dagegen der Anbau des Kaffees auf der Farm für 56 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich ist. Die Analyse der 6er-Packung Naturkind Bio-Freilandeier führte zu einem ähnlichen Resultat: 62 Prozent der Treibhausgase fallen im Legebetrieb an, der Transportanteil beträgt lediglich 1,5 Prozent.

 

Dennoch wird bei einer ökologischen Positionierung eines Produktes die Klimaverträglichkeit der äußeren Hülle immer eine zentrale Rolle spielen – vor allem unter Marketing-Gesichtspunkten. Schließlich ist die Verpackung derjenige Produktbestandteil, mit dem Handel und Verbraucher als erstes in Kontakt kommen.

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Martin Petrich

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