21.09.2009 – Wellpappe Report 3/2009

"Wellpappe eignet sich sehr gut für das umweltverträgliche Verpacken"

Interview mit Prof. Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und Initiator der Verpackungsverordnung

 

Prof. Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und Initiator der Verpackungsverordnung, berät als Mitglied des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE) die Bundesregierung in Fragen der Nachhaltigkeit. Anlässlich des Forums Wellpappe auf der FachPack 2009 stand er für ein Interview zur Verfügung. Auf dem Forum Wellpappe am 30.09.2009 wird er sich mit einer Videobotschaft an die Besucher wenden.

 

Herr Prof. Töpfer, wie bewerten Sie die Erfolge der Verpackungsverordnung unter dem Gesichtspunkt von Umweltschutz und Nachhaltigkeit?

Die Verordnung hat nicht nur im Verpackungsbereich das Denken grundsätzlich verändert. Unser Ziel war es, eine Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Deswegen haben wir ein Gesetz verabschiedet, das auf dem Gedanken der Produzentenverantwortung basiert. Das besagt, dass diejenigen, die etwas erzeugen und verpacken, auch für dessen Wiederverwertung verantwortlich sind. Diese Idee einer ökologischen Marktwirtschaft mit geschlossenen Kreisläufen hat sich weltweit durchgesetzt.

 

Wellpappenverpackungen haben schon vor der Verpackungsverordnung den Anforderungen der Kreislaufwirtschaft entsprochen. Welche Rolle sehen Sie für solche Verpackungen in der Zukunft?

Ein entscheidendes Ziel der Verordnung war die Berücksichtigung der Entsorgungskosten von Verpackungen. Wellpappe verursacht niedrige Kosten bei Wiederverwertung und Recycling und bietet damit einen marktwirtschaftlichen Vorteil. Das entspricht den Intentionen der Verpackungsverordnung. Außerdem wollten wir grundsätzlich Abfall vermeiden. Wir brauchen daher die Kreislaufwirtschaft und müssen dazu beitragen, dass Materialien, die aus erneuerbaren Rohstoffen bestehen und leicht wiederzuverwerten sind, einen ökonomischen Vorteil haben.

 

Sehen Sie heute einen Nachholbedarf in der Gesetzgebung in puncto Verpackungen?

Ich halte es grundsätzlich für einen Fehler, wenn man denkt, es sei alles auf Dauer gut geregelt. Man muss statt dessen immer wieder kritisch nachfragen und die Entwicklungen im Markt beobachten. Außerdem halte ich es für wichtig, dass wir in der Frage der Substitution schwer entsorgbarer Stoffe weiter vorankommen und dass es zu Produktinnovationen im Verpackungsmarkt kommt. Hier muss sich der Staat Gedanken machen – etwa unter dem Aspekt der Klimapolitik und der Erhaltung der Artenvielfalt.

 

Mehrweg wurde von der Politik lange Zeit bevorzugt. Sollte da nicht ein Umdenken stattfinden?

Ich bin kein Dogmatiker und sage nicht, dass Mehrweg immer die beste Lösung sein muss. Vielmehr kommt es auf die jeweiligen Bezüge an. So eignet sich zum Beispiel die Wellpappe sehr gut dafür, Produkte zielgerichtet zu verpacken, ohne dass es zur Belastung der Umwelt kommt. Auf der anderen Seite bedeuten die Bemühungen um Recycling keinen Widerspruch zu den Bestrebungen, die Mehrwegquoten zu halten.

 

Was halten Sie von Carbon Footprint als Bewertungskriterium für die Nachhaltigkeit von Verpackungen?

Das ist eine ganz wichtige Fragestellung. Ich bin froh, dass man sich darüber bewusst geworden ist, wie sehr die Umwelt unter der Art und Weise leidet, wie wir produzieren und konsumieren. Wir dürfen die Natur nicht übernutzen, vor allem nicht vor dem Hintergrund der Klimaveränderung. Daher ist es gut zu wissen, wie viel CO2 mit einem Produkt verbunden ist.

 

Welche Kriterien müssen Industrie und Handel erfüllen, um dem Ideal der nachhaltigen Wirtschaft zu entsprechen?

Nachhaltig kann nur das sein, was sich auch auf Dauer trägt. Es geht darum, dass wir Kreisläufe schließen und den Begriff „Abfall" aus unserem Sprachschatz streichen. Wir können uns keine Wegwerfphilosophie mehr leisten. Deutschland ist in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften ein wirklicher Vorreiter gewesen und hat dadurch viele Vorteile im technologischen Bereich erworben, etwa in Bezug auf die Wiederverwertung von Papier.

 

Welchen Beitrag leisten aus Ihrer Sicht die Wellpappenindustrie und ihre Kunden zur Nachhaltigkeit?

Es ist immer wichtig, dass Konsumenten ausreichend informiert werden, zum Beispiel durch Kennzeichnungen auf Verpackungen. Wellpappe ist bestens zur Kommunikation von Botschaften geeignet. Das betrifft nicht nur Produktangaben, sondern auch Informationen zur Umweltverträglichkeit und zum Carbon Footprint. Unter dem Stichwort der „Corporate Social Responsibility" wird die Bedeutung ökologischer Produkteigenschaften immer wichtiger. Dahinter steht eine gesellschaftliche Verpflichtung, die wir berücksichtigen müssen. Wir haben uns unter das Diktat der Kurzfristigkeit begeben. Daher ist es wichtig, dass Branchen wie die Wellpappenindustrie sich langfristig zum nachhaltigen Wirtschaften im Sinne der Umwelt bekennen. Das wird auch zunehmend von den Konsumenten honoriert.

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Martin Petrich

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