19.08.2008 – Wellpappe Report 3/2008

Wellpappe meistert Herausforderungen von Industrie und Handel

Ergebnisse des ersten EHI/GS1 Packaging Jahreskongresses "Pack 2008"

 

Wellpappe ist für die aktuellen Herausforderungen des Markts bestens gerüstet. Das ist eines der Ergebnisse des Kongresses „Pack 2008", dem ersten Jahreskongress zum Thema Verpackung. Das European Retail Institute EHI führte die Veranstaltung in Köln am 24. und 25. Juni 2008 gemeinsam mit GS1 Germany (vormals CCG, Centrale für Coorganisation GmbH) durch, dem Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum für unter-nehmensübergreifende Geschäftsabläufe in der deutschen Konsumgüterwirtschaft und ihren angrenzenden Wirtschaftsbereichen.

 

Handel bevorzugt Wellpappe

Ein Schwerpunktthema war das Anforderungsprofil an die Verpackung, um eine effiziente Logistik zu gewährleisten. Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung des EHI Retail Institute, stellte in seinem einleitenden Vortrag die Ergebnisse einer aktuellen EHI-Studie vor. Der Untersuchung zufolge ist Wellpappe aus Sicht des Handels das bevorzugte Material für Transportverpackungen. Der Handel fordere Einstofflösungen, um das Handling bei der Entsorgung und beim Recycling zu vereinfachen; zum Beispiel solle auf den zusätzlichen Einsatz von Schrumpffolien möglichst verzichtet werden. Grundsätzlich bevorzuge der Handel den ausschließlichen Einsatz von recycelbaren Packstoffen und Packhilfsmitteln.

 

Transportverpackungen aus Wellpappe sind immer so stabil, wie man sie braucht. Atzberger zeigte auf, was geschehen kann, wenn die Beratungsleistungen der Wellpappenindustrie nicht in Anspruch genommen werden. Der Experte führte Beispiele für Transportverpackungen an, die ihre Basisaufgabe – den umfassenden Schutz des Transportguts – schon aufgrund ihrer unpassenden Konstruktion nicht erfüllen können: Gurken- oder Joghurtgläser, verpackt in Trays aus unzureichender Materialstärke und mit zu niedrigen Seitenwänden, sind im Kommissionierprozess nicht zu handhaben, ohne dass sie auf den Boden fallen. Atzberger stellte die rhetorische Frage: „Wie viel weniger geht noch bei der Sekundärverpackung?", um auf kontraproduktive Kostenreduzierung im Einkauf hinzuweisen. Die EHI-Studie bestätigt, dass Verpackungsreduzierung in der Vergangenheit zu oft die Stabilität der Verpackung beeinträchtigt hat. Ein stärkerer Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen allen Beteiligten der Lieferkette sei erforderlich, um Schäden und daraus resultierende Kosten zu vermeiden.

 

Anforderungsgerechte Verpackungen vermeiden Mehrkosten

An diesem Punkt konnte Peter Niggemeier, Projektleiter Logistik der REWE Zentral AG, in seinem Vortrag nahtlos anknüpfen. Er betonte die Bedeutung des optimalen Produktschutzes über die gesamte Lieferkette: „Verpackungen müssen den Beanspruchungen der gesamten Prozesskette vom Hersteller bis zum Endverbraucher standhalten." Niggemeier präsentierte ebenfalls Fälle, in denen die Transportverpackungen nicht den Anforderungen von Lagerung, Handling und Transport entsprachen. „Täglich werden in den Verteilzentren und Märkten der REWE enorme Mengen an Packstücken bewegt – 5.300.000 Kolli jeden Tag! Wenn nur ein Prozent davon im Handling wegen mangelnder Verpackung jeweils eine Minute Mehraufwand verursacht, bedeutet das Mehrkosten in Höhe von drei Millionen Euro täglich. Und das nur bei REWE!"

 

Niggemeier formulierte klare Verpackungsziele für die Logistik und den Point of Sale. Er stellte aber gleichzeitig fest, dass Handel, Konsumgüterindustrie oder Verpackungshersteller diese Ziele nicht allein erreichen könnten. Alle Beteiligten müssten bei der Entwicklung von Verpackungskonzepten mitwirken, damit sie sämtlichen Anforderungen der Prozesskette entsprächen. Niggemeier: „Nur gemeinsam schaffen wir es."

 

Wellpappe unterstützt Automatisierung

Detlev Jauer, Leiter des Lagers Hamm der EDEKA Handelsgesellschaft Rhein-Ruhr, konnte in seinem Vortrag aufzeigen, wie die von Niggemeier geforderten gemeinsamen Anstrengungen zum Erfolg – das heißt zu Kosteneinsparungen – führen können. Das moderne mechanisierte Kommissioniersystem der EDEKA Hamm stellt ganz besondere Anforderungen an die Transportverpackungen; zahlreiche Verpackungskonzepte wurden modifiziert, um die fast vollständige Automatisierung des Kommissionierprozesses zu unterstützten.

 

Dazu gehören etwa die Umstellung von offenen Trays auf geschlossene Kartons, um das Herausfallen von Waschmittelflaschen auf der offenen Stirnseite zu verhindern, sowie die Erhöhung des Traystegs von Instantkaffee-Dosen von 42 auf 67 cm und damit auf ein Drittel der Produkthöhe. Zum Ende seines Referats konnte Jauer von handfesten Einsparungen durch die vorgenommenen Modifikationen berichten: „Die Umstellung einiger Verpackungseinheiten von Dreier- auf Zweier-Facings führte durch die Eckenstabilisierung zum besseren Schutz des Produkts und damit zu einer geringeren Bruchquote. Außerdem konnten wir einen höheren Warenumschlag und -umsatz verzeichnen."

 

Nachhaltiges Prozessmanagement

Keine Expertenrunde kommt zurzeit ohne eine Stellungnahme zum „Hype-Thema Sustainability" (EHI) aus. Volker Lange, Leiter Verpackungs- und Handelslogistik des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund, lenkte den Blick auf die Nachhaltigkeitseffekte einer effizienten Logistik. Eine optimale Auslastung von Ladungsträgern, Transportmitteln und Lagerraum wirke sich eben nicht nur positiv auf die Kosten aus, sondern auch auf die Umwelt. „Der ‚intelligente Konsument' verlangt zunehmend eine nachhaltige Umweltpolitik von Unternehmen", sagte Lange. Er forderte daher eine veränderte Denkhaltung in der Logistik und die Einführung eines Sustainable Supply Chain Managements (SSCM).

 

Einen wesentlichen Ansatzpunkt sah Lange dabei in der Reduzierung der Transportkilometer. Das Güterverkehrsaufkommen wachse stärker als die Wirtschaft. „Die Komponenten und Bauteile eines Neuwagens sammeln bis zur Fertigstellung mehr Kilometer als das Fahrzeug später selbst", rechnete Lange vor. Eine optimale Abstimmung von Produkt, Verpackung und Ladeeinheit sei ebenso notwendig wie die Stapelfähigkeit der Verpackungen, eine gewisse Standardisierung und die Vermeidung von Leerguttransporten, um die Laderäume im Lkw optimal auszulasten. Auf die Entwicklung einer nachhaltigen Logistik, so Lange abschließend, „hat die Verpackung einen nicht unerheblichen Einfluss."

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Martin Petrich

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