29.11.2006 – Wellpappe Report 4/2006

„Qualität zählt – auch bei der Transportverpackung“

Interview mit Karl Scheck, Abteilungsleiter Materialbeschaffung, Seeberger

 

Karl Scheck vom schwäbischen Traditionsunternehmen Seeberger, Hersteller von Qualitätskaffee, Trockenfrucht- und Nusskernspezialitäten, ist von Beginn an ein engagierter Mitwirkender der Initiative „gut verpackt". Der Verband der Wellpappen-Industrie e. V. rief sie gemeinsam mit Vertretern aus Industrie und Handel im September 2004 ins Leben. Ihr ambitioniertes Ziel: Nur noch anforderungsgerechte Transportverpackungen aus Wellpappe im Zentrallager und am Point of Sale des Handels. Scheck leistet als Einkaufsexperte einen erheblichen Beitrag zur Aufklärungsarbeit der Initiative – zuletzt als Referent auf dem Forum Wellpappe am 27. September 2006 auf der FachPack in Nürnberg.

 

Herr Scheck, was fällt Ihnen zu dem bekannten Werbeslogan „Geiz ist geil" ein?

Ich halte die Mentalität, die hinter diesem Spruch steht, für sehr gefährlich. Anbieter oder Lieferanten, die nur auf billige Angebotspreise vertrauen, machen sich auf Dauer austauschbar. Wir bei Seeberger folgen einer ganz anderen Philosophie: Wir sind überzeugt, dass sich Qualität schließlich immer durchsetzt. Selbstverständlich spielt bei jedem Einkauf der Preis eine Rolle – egal, ob ich als privater Verbraucher Waren erwerbe oder als professioneller Einkäufer für mein Unternehmen. Aber er darf nicht das einzige Kriterium für meine Entscheidung sein. Eine reine Preisorientierung wirkt sich zwangsläufig auf die Qualität der gekauften Waren aus. Das gilt auch und gerade bei der Verpackung.

 

Welche Auswirkungen auf die Qualität der Transportverpackungen meinen Sie?

Einige verpackende Unternehmen versuchen, ihre Kosten zu senken, indem sie am falschen Ende sparen. Die Einkäufer dieser Unternehmen greifen zum Beispiel auf ungeeignete Materialstärken und Konstruktionen bei Transportverpackungen zurück, weil sie günstiger sind als die eigentlich erforderlichen. Über die Folgen sind sie sich indes nicht im Klaren: Der Einsatz solcher nicht anforderungsgerechter Verpackungen führt schließlich bei Transport, Lagerung und Handling am Point of Sale zu vermeidbaren Schäden an Verpackung und Produkten. Ich konnte bei der Besichtigung des Zentrallagers einer großen Handelskette selbst sehen, dass zum Beispiel Salamiwürste, Raviolidosen und Marmeladengläser beim Kommissionieren auf den Boden fallen, weil die Transportverpackungen nicht passend gewählt wurden. Die Ware muss dann abgeschrieben und entsorgt, der Boden gereinigt und das Personal dafür bereitgestellt werden. Diese Kosten werden beim Einkauf nicht bedacht.

 

Wie vermeiden Sie bei Seeberger solche Zusatzkosten?

Der Handel stellt ganz klare Anforderungen: Unsere Transportverpackungen müssen den unterschiedlichsten Beanspruchungen der gesamten Prozesskette standhalten – vom Hersteller bis zum Endverbraucher. Wir streben also vor allem eine Reduzierung der Schadensquote an. Dabei vertrauen wir auf unsere Lieferanten: Die Spezialisten der Wellpappenhersteller kennen die Anforderungen und Belastungen für die Transportverpackungen meist sehr genau, daher können Sie uns die richtigen Verpackungen empfehlen und bereitstellen. Wie gesagt: Hier auf Teufel komm raus zu sparen, halte ich für kostspielig und falsch.

 

Hoher Qualitätsanspruch und gleichzeitig Kostensenkung – wie geht das zusammen?

Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Wir haben vor einiger Zeit durch eine Verpackungsoptimierung eine Reduzierung des Handlingaufwands bei der Regalbestückung im Supermarkt um 30 Prozent erreicht – das sind 2,5 Cent pro Gebindeeinheit. Die neue zweigeteilte Transportverpackung verfügt im geschlossenen Zustand über ein Sichtfenster an der Stirnseite und ermöglicht so eine schnelle Produktidentifikation. Die clever konstruierte Verriegelung des Deckels auf dem Tray ist leicht, schnell und ohne Hilfsmittel zu öffnen, damit gelangt das Tray viel rascher ins Regal. Diese erhebliche Effizienzsteigerung ging also nicht zu Lasten der Qualität der Transportverpackung; wir haben einfach die Vielfältigkeit des Packstoffs Wellpappe und die Beratungsangebote unserer Wellpappenlieferanten genutzt. Dass unsere Verpackungen allen Anforderungen an Transport sowie Regalbestückung und Warenpräsentation entsprechen, haben wir von einem unabhängigen Prüfinstitut anhand einer 10-Punkte-Checkliste überprüfen und zertifizieren lassen.

 

Sie glauben also, dass qualitativ hochwertige Verpackungen effizienter sind?

Ja, wenn sie richtig eingesetzt werden. Ein weiteres Beispiel: Im Zuge der Verpackungsoptimierung haben wir auch den Markenauftritt von Seeberger behutsam überarbeitet: Die Wellpappenverpackung im neuen Design ist noch attraktiver geworden. Seeberger liefert ausschließlich Spitzenqualität, darauf können sich unsere Kunden aus dem Handel und die Endverbraucher verlassen. Und die Qualität unserer Produkte spiegelt sich eben in einer attraktiven Warenpräsentation im Regal – und dazu gehört nun mal auch ein markengerecht bedrucktes, stabiles und unversehrtes Wellpappentray. Wenn der Verbraucher aufgrund dieses Auftritts unserem Qualitätsversprechen vertraut und zugreift, nenne ich das effizient.

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Martin Petrich

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