07.12.2005 – Wellpappe Report 4/2005

Gut verpackt in die Luft gehen Informationsveranstaltung der Initiative 'gut verpackt' am Flughafen Köln-Bonn

„Die Transportverpackung muss die Belastbarkeit eines Transportgutes soweit erhöhen, dass es die tatsächlich auftretenden Belastungen aushält."

 

So brachte Jürgen Vatter, Damage Reduction Coordinator des Logistikdienstleisters United Parcel Service (UPS), die Anforderungen des Einzelpaketversands (EPV) an die Verpackung auf den Punkt. Vatter und sein Kollege Stefan Verfürth erläuterten etwa 30 Verpackungsverantwortlichen aus Industrie und Handel, was eine gute Transportverpackung ausmacht. Weiterer Programmpunkt der Veranstaltung 'gut verpackt – sicher unterwegs', ausgerichtet von der Initiative 'gut verpackt' und UPS, war die Besichtigung der UPS-Sortieranlage in Köln-Bonn.

 

„Die Anforderungen an die Transportverpackung werden von drei Kriterien bestimmt: Produktempfindlichkeit, Transportbeding-ungen und Verpackungseigenschaften", erklärte Vatter. Die Klassifizierung der Produktempfindlichkeit auf einer fünf-stufigen Skala von „extrem empfindlich" bis „mäßig empfind-lich" gebe z. B. Aufschluss über die Frage, welche Belastungen die versendete Ware überhaupt ertragen kann. „Die Analyse der Transportbedingungen ist entscheidend, um die richtige Verpackung auswählen zu können. Jeder Versender sollte sich also die Frage stellen: Was muss die Verpackung aushalten?" Die Belastungen sind zahlreich: Beim Lagern und den Ladevorgängen wird Druck ausgeübt, abruptes Beschleunigen oder Bremsen im Fahrzeug verursachen Schocks und auf Förderbändern, im Lkw oder Flugzeug entstehen Vibrationen. Beim Luftversand müssen der Unterdruck in großen Höhen sowie die veränderten klimatischen Bedingungen am Zielort berücksichtigt werden.

 

Effizienter Transportschutz ohne Wellpappe kaum möglich

Vatter und Verfürth erläuterten ihren einleitenden Vortrag mit zahlreichen anschaulichen Beispielen guter, aber auch unpassender Verpackungen. Als dritter Hauptakteur immer mit dabei: Wellpappe, der Packstoff, ohne den es praktisch keinen effektiven Transportschutz im EPV gibt. In den meisten Fällen kommt Wellpappe als Versandkarton zum Einsatz, in dem auch andere Verpackungsmaterialien als Polster eingesetzt werden. Die vielfältigen und teilweise phantasievollen Lösungen sind manchmal perfekt, manchmal funktionieren sie gar nicht. „Aber keine Verpackung ist generell schlecht oder generell gut", betonte Verfürth. „Es kommt immer darauf an, wie sie eingesetzt wird." Luftbefüllte Beutel etwa eignen sich zwar für den Trans-port im Lkw gut als Füllmaterial, aber im Flugzeug dehnen sie sich durch den Unterdruck aus. „Dadurch wird die Ware buchstäblich unter Druck gesetzt und eventuell beschädigt", so Verführt.

 

„Mit unserem UPS-Verpackungsleitfaden kann jeder Versender sehr leicht eine anforderungsgerechte Verpackungslösung entwickeln oder einkaufen", ist sich Vatter sicher. Das Optimierungs-potenzial ist groß: Dem Experten zufolge wird bei UPS zwar nur ein Paket von 3.700 beschädigt. Aber 62 Prozent dieser Schäden gehen auf das Konto nicht anforderungsgerechter Transport-verpackungen – Grund genug, die Versender aufzuklären.

 

Eine anderthalbstündige Führung durch die UPS-Sortieranlage am Flughafen Köln-Bonn führte den Teilnehmern zahlreiche Belastungen und Anforderungen deutlich vor Augen. Zwischen 22:00 und 3:00 Uhr – sortiert wird nur nachts – werden bis zu 60.000 Pakete stündlich über Bandverteilersysteme von insgesamt 30 km Länge transportiert, in die Container verteilt und in die ganze Welt geflogen – die meisten in Wellpappe, ohne die im EPV nichts geht.

 

Gut verpacken heißt Kosten senken

Zu der Informationsveranstaltung hatte die Initiative 'gut verpackt' gemeinsam mit UPS eingeladen. Angelika Christ, Geschäftsführerin des Verbandes der Wellpappen-Industrie e.V. (VDW), zum Hintergrund: „Eine vom VDW beauftrage Studie hat ergeben, dass in der Lieferkette durch den Einsatz nicht anforderungsgerechter Wellpappe jährlich Schäden in dreistel-liger Millionenhöhe entstehen. Allein in den Verkaufstellen des deutschen Einzelhandels können pro Jahr mindestens 300 Milli-onen Euro eingespart werden." Nach Erkenntnissen des VDW ist der Grund für den Einsatz unpassender Transportverpackungen vor allem ein Kommunikationsdefizit: Manche Verpackungsentscheider und Einkäufer sind nicht über alle Verpackungsanforderungen in der Lieferkette informiert. „Daher hat der VDW gemeinsam mit Vertretern aus Industrie, Handel und Logistik die Initiative 'gut verpackt' gegründet, unter deren Dach gemeinsame Informationsveranstaltungen durchgeführt werden", so Christ weiter. Gemeinsames Ziel aller Teilnehmer der Initiative 'gut verpackt': unnötige Transportschäden vermeiden und damit Kosten senken.

Drucken Download Word Download PDF RSS

Martin Petrich

Pressekontakt

Martin Petrich

Tel.: +49 6151 9294-23
E-Mail