22.08.2005 – Wellpappe Report 3/2005

„Wir werden immer effizienter“

Der Beitrag anforderungsgerechter Transportverpackungen im Prozessmanagement der Dirk Rossmann GmbH

 

„Bei der Umstellung unserer Kommissionierungsprozesse hat der Produktschutz höchste Priorität", erklärt Norbert Winkel, Projektmanager der Dirk Rossmann GmbH. „Bei allen Waren, die während des Kommissionierungsprozesses über Förderbänder transportiert werden, muss die Stabilität der Transportverpackung stimmen. Zum Beispiel dürfen Versandeinheiten mit Papiertaschentüchern nicht einknicken, wenn Gläser mit Babynahrung hinten drauf rutschen." Winkel hat zahlreiche solcher Szenarien vor Augen, wenn er von Produktschutz spricht. Der Logistikexperte leitet ein Projekt zur Prozesskostenoptimierung und verlangt dabei der Vielseitigkeit von Transportverpackungen aus Wellpappe einiges ab.

 

Mit einer „Top-down"-Analyse wollte Winkel feststellen, welche Warengruppen bei der Kommissionierung über Förderbänder geleitet werden können. „Dieses Verfahren setzen wir vor allem für unsere Schnelldreher ein", erläutert Winkel. „Je mehr Waren wir auf diese Weise kommissionieren können, desto effizienter läuft der Prozess." Um die Anzahl der förderbandtauglichen Warengruppen zu erhöhen, sind Anpassungen der Transportverpackungen notwendig. „Wir geben unseren Lieferanten exakte Vorgaben zu Maßen und Gewichten der Versandeinheiten. Die dürfen natürlich nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht sein, um optimal befördert werden zu können."

 

Mit der passenden Transportverpackung Schäden vermeiden

Bei der Entwicklung neuer Transportverpackungen setzt Winkel vor allem auf optimalen Produktschutz. „Am wichtigsten ist, dass die Ware heil ins Regal kommt", so der Fachmann. In den Rossmann-Märkten werden die meisten Produkte einzeln präsentiert; das heißt, jede Verkaufseinheit wird einzeln aus der Wellpappenverpackung entnommen und platziert. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Öffnungsmechanismus der Transportverpackung zu. Winkel hat ermittelt, dass beim Auspackvorgang in der Verkaufsstelle die meisten Schäden entstehen. „Wenn die Mitarbeiter die Verpackung mit einem Messer aufschneiden, kann es passieren, dass sie die Primärverpackung oder direkt die Ware beschädigen. Oder noch schlimmer: Sie verletzen sich selbst." Darum sind zum Beispiel Metallteile in den Wellpappenverpackungen unerwünscht. Zu einem einfachen, funktionellen Öffnungsmechanismus gehört für Winkel auch ein Piktogramm – an Stelle von Textbeschreibungen in mehreren Sprachen – auf der Verpackung, um den Mitarbeiter mit einem Blick über die Funktionsweise aufzuklären.

 

Auch im Kommissionierungslager entstehen Schäden durch nicht anforderungsgerechte Transportverpackungen. „Besonders gefährlich sind Zwischenlagen aus Pappe oder Wellpappe, die die Warenschichten auf der Palette stabilisieren sollen", erläutert Winkel. Wenn zum Beispiel bei schwerem Weichspüler aus Kostengründen an der Materialstärke der Wellpappe gespart wird, bleiben die Lagen auf der Palette instabil. Die eingefügten Zwischenlagen geben der kompletten Ladung auf der Palette zwar Halt; aber bei der stückweisen Entnahme der Versandeinheiten entstehen destabilisierende Lücken im Palettenturm – es besteht akute Einsturzgefahr. „Zusätzlich verdeckt die Zwischenschicht dem Mitarbeiter die Sicht, die Pappe muss mühsam herausgezerrt werden. Das kostet Zeit, erhöht die Verletzungsgefahr und fördert Warenbruch durch herunterfallende Waren", so Winkel.

 

Durch die richtige Entscheidung Kosten senken

Wo Handlungsbedarf besteht, weiß Winkel genau. Bei Rossmann werden Schäden, die im Lager, auf dem Transport und im Markt entstehen, akribisch erfasst. Das ist nicht überall in der Branche der Fall. Eine Studie des Verbandes der Wellpappen-Industrie e. V. aus dem Jahr 2004 ergab, dass Schäden an Ware oder Verpackung im Handel und bei verpackenden Unternehmen nur selten erfasst und weitergegeben werden. Das führt dazu, dass bei der Entscheidung für die eine oder andere Verpackungsvariante oft kein vollständiges Anforderungsprofil vorliegt und berücksichtigt werden kann. Die Folge: Nach Erkenntnissen des VDW bleibt pro Jahr ein Effizienzpotenzial von mindestens 300 Millionen Euro ungenutzt – allein aufgrund mangelhaften Informationsaustausches.

 

„So etwas kann bei uns nicht passieren", versichert Winkel. „Bevor bei uns neue Verpackungsvarianten bestellt werden, stimmt sich die Einkaufsabteilung mit der Logistik ab. Über alle Anforderungen, die in unserer Lieferkette an die Transportverpackung gestellt werden, informiere ich den Einkäufer." Winkel hält eine vernünftige Kommunikation zwischen Einkauf und Logistik und eine exakte Kosten-Nutzen-Rechnung bei jeder Verpackungsentscheidung für unverzichtbar.

 

Aus der Vogelperspektive den Erfolg messen

Der abteilungsübergreifende Ansatz prägt Winkels Methode und Biographie: Bevor der Logistikexperte sich der Prozesskostenoptimierung widmete, hatte er als Controller bei Rossmann das Effizienzpotenzial entdeckt. Nun ist er dabei, es zu heben. „Am Ende muss auch die Transportverpackung einen Beitrag zur Prozessoptimierung leisten – und das tut sie bei uns. Die meisten Verpackungsanpassungen konnten wir kostenneutral durchführen. Und obwohl das Projekt noch nicht vollständig abgeschlossen ist, haben wir bereits respektable Erfolge erzielt."

Drucken Download Word Download PDF RSS

Martin Petrich

Pressekontakt

Martin Petrich

Tel.: +49 6151 9294-23
E-Mail