16.03.2005 – Wellpappe Report 1/2005

Auf Herz und Nieren: Zahlreiche Prüfungen sichern die Qualität von Wellpappe

Konsumgüterhersteller und Handel verlassen sich darauf, dass die Transportverpackung aus Wellpappe einiges aushält.

 

Ihre Qualitätsanforderungen sind hoch: zu Recht, denn schließlich geht es um Milliardenwerte, die unversehrt beim Händler und Verbraucher ankommen sollen. Eine Studie des Verbandes der Wellpappen-Industrie e. V. (VDW) belegt, dass jährlich Transportschäden in Höhe von mindestens 300 Millionen Euro entstehen. Die Ursache: Industrie und Handel setzen oft Transportverpackungen ein, die nicht allen Anforderungen der Lieferkette genügen, z. B. unpassende Wellpappensorten oder falsche Konstruktionen. Diese Schäden sind vermeidbar, denn die Wellpappenindustrie bietet eine umfassende Beratung über anforderungsgerechte Verpackungen.

 

Von der Qualität der gelieferten Wellpappe können sich Kunden durch zahlreiche Prüfverfahren überzeugen. „Etwa zwei Drittel unserer Kunden sind verpackende Unternehmen, und zwar aus allen Branchen", sagt Julian Pachniewski, Experte für Prüfverfahren vom unabhängigen Institut für Wellpappenforschung und -prüfung (wfp GmbH) in Darmstadt. In der DIN-Norm 55 468 T1, die auf einem vom VDW definierten Standard basiert, sind die Leistungsfähigkeitskriterien für Wellpappe vorgeschrieben: Ein Standard für Qualitäten, der ständig eingesetzt wird, um Waren, die auf Reisen gehen, optimal vor Schäden zu schützen - die gesamte Lieferkette hindurch.

 

Für den Ernstfall gerüstet

Auf den Zahn gefühlt wird vor allem den verschiedenen Festigkeitseigenschaften der Wellpappe und der aus ihr hergestellten Verpackungen. „Kantenstauchwiderstand, Berstfestigkeit und Durchstoßarbeit sind die wichtigsten Festigkeitskriterien für die Leistungsfähigkeit der Wellpappe. Dazu kommt noch die für Gefahrgutverpackungen gesetzlich vorgeschriebene Einschränkung der Wasseraufnahmefähigkeit", so Pachniewski. „Fertige Verpackungen werden hauptsächlich auf ihren Stapelstauchwiderstand geprüft - eine der wichtigsten Belastungskriterien."

 

Gestapelte Transportverpackungen, zum Beispiel auf der Palette oder in der Gitterbox des Kommissionierers, sind besonderen Belastungen ausgesetzt: Die oberen Versandeinheiten stauchen mit ihrem Gewicht die unteren. Zuverlässige Aussagen über die Leistungsfähigkeit des Materials oder der Verpackung beschreiben zwei Größen: Kantenstauchwiderstand der Wellpappe und Stapelstauchwiderstand der Verpackung. Die Qualitätskontrolleure testen beides in speziellen Prüfmaschinen, in denen die Prüfstücke über die Belastungsgrenze hinaus gedrückt werden. Der Kantenstauchwiderstand von zweiwelliger Wellpappe der Sorte 2.40 zum Beispiel muss 7,5 Kilonewton pro Meter betragen. Das bedeutet, dass eine ein Meter lange Wellpappen-Kante ein Gewicht von über 750 Kilogramm problemlos aushält. Die Messwerte geben also Auskunft darüber, welche Belastung Wellpappe verträgt ohne einzuknicken.

 

Neue Verfahren liefern noch bessere Testergebnisse

Eine wichtige Kennzahl ist auch die Berstfestigkeit; sie wird im sogenannten ,Verfahren nach Mullen' getestet. Die Vorgabe für die oben beschriebene Sorte liegt zum Beispiel bei 1.400 Kilopascal - das ist das 14-fache des üblichen atmosphärischen Luftdrucks. In diesem Gerät wird eine Probe des Packstoffs mittels einer aufblasbaren Membran buchstäblich soweit unter Druck gesetzt, bis sie platzt.

 

Mit einem Pendelschlagwerk messen die Prüfer die Durchstoßarbeit. Für unser Beispiel zweiwelliger Wellpappe der Sorte 2.40 muss sie 8,5 Joule betragen. Entscheidend ist dabei die Energie, die das spitze Pendel benötigt, um die Wellpappe zu durchschlagen. „Dieses Verfahren hat einige Nachteile. Pendelschlagwerke sind zum Beispiel durch eine verhältnismäßig hohe Streubreite gekennzeichnet", berichtet Pachniewski. „Allerdings experimentieren einige Unternehmen gerade mit einem neuen Gerät, das diese Nachteile nicht mehr hat und damit den Kunden noch exaktere Daten liefert."

 

Basis der Innovation ist eine konventionelle Zug-Druck-Prüfmaschine, deren Traverse mit einem spitzen Zusatz versehen ist. „Damit wird auch die Durchstoßarbeit bei linearer Energieeinwirkung gemessen und die Streubreite der Ergebnisse erheblich reduziert." Beim Transport von Waren lauern überall Gefahren: Auf dem Lkw, beim Be- und Entladen und beim Lagern. Wie kein anderes Material eignet sich Wellpappe dafür, die Waren davor zu schützen. Die zahlreichen Prüfverfahren, durchgeführt von unabhängigen Einrichtungen wie der wfp GmbH, sichern einen hohen Qualitätsstandard - so können Handel und verpackende Industrie sicher sein, den optimalen Produktschutz für ihre Waren zu erhalten.

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Martin Petrich

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