06.10.2015

Forum Wellpappe 2015: Wenn mein Paket mit mir spricht

Darmstadt, 6. Oktober 2015 – „Die Wellpappenindustrie feiert, dass es das Internet gibt – ich finde das ungewöhnlich“, leitete Deutschlands bekanntester Internet-Experte Sascha Lobo seinen Vortrag ein. „Andere Branchen halten das Internet für bedrohlich. Die Wellpappenhersteller aber sind so begeistert vom Netz, dass sie dazu eine Veranstaltung machen.“ Das Forum Wellpappe 2015 mit dem Titel „#verpackungderzukunft – so wird digital real!“ fand am 30. September auf der FachPack in Nürnberg statt, ausgerichtet vom Verband der Wellpappen-Industrie (VDW). Etwa 400 Besucher erlebten, wie unter der Moderation des TV-Journalisten Florian Fischer-Fabian Experten aus Forschung, Handel, Verpackungsindustrie und Netzwelt die Frage beantworteten: Wie sieht die Verpackung der Zukunft aus?

 

Erste Antworten gab Christian Rauch, Geschäftsleiter des Zukunftsinstituts

auf dem Forum Wellpappe 2015. Rauch stellte die Ergebnisse der Studie „Supply Chain 2025“ vor, die sein Forschungsinstitut im Frühjahr 2015 im Auftrag des VDW durchgeführt hat. Dem Zukunftsforscher zufolge gibt der Trend zur Kreislaufökonomie der Supply Chain wichtige Impulse. „Der Anteil von Unternehmen, bei denen Nachhaltigkeit ganz oben auf der Management-Agenda steht, steigt: 2010 waren es 46 Prozent, jetzt sind es zwei Drittel“, so Rauch. „Nachhaltigkeit ist immer weniger eine Aufgabe von PR- und Kommunikationsabteilungen, sondern in vielen Konzernen ist die gesellschaftliche Verantwortung direkt der Konzernstrategie zugeordnet.“ Um ihre oft ambitionierten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, seien Unternehmen heutzutage auf die Zusammenarbeit mit ihren Zulieferern angewiesen. Den Beitrag von Verpackungen schätzt Rauch dabei sehr hoch ein. „Ökologisch sinnvoller Umgang mit Verpackungsmaterial wird immer wichtiger. Wellpappe hat da einen strategischen Vorteil, weil sie sich heute schon hervorragend in funktionierende Stoffkreisläufe einfügt.“

 

Facebook und Co. verändern unsere Art des Konsums entscheidend; davon zeigte sich Internet-Guru Sascha Lobo in seinem Vortrag überzeugt. „Die Sozialen Medien sind eine riesige Maschinerie der Selbstinszenierung, und die hat in den Sozialen Medien ganz intensiv zu tun mit dem Konsum.“ Lobo erläuterte das anhand des Internet-Phänomens der so genannten Unboxing-Videos, in denen das feierliche Öffnen von Verpackungen per Film festgehalten wird. Im Internet finden sich inzwischen über 25 Millionen dieser Videos, die Lobo zufolge wichtige Beiträge zur Emotionalisierung des Online-Shoppings leisten. „E-Commerce leidet darunter, dass der Einkaufsvorgang auf einen Klick reduziert ist. Mit Unboxing-Clips kann der User seinen Konsum inszenieren und emotional aufladen. Die Verpackung ist für die Emotionalisierung  des E-Commerce verantwortlich.“ Für Lobo eine bemerkenswerte Entwicklung: „Noch vor 15 Jahren hätte doch niemand daran gedacht, dass Verpackungen massenhaft zur Selbstinszenierung im Internet genutzt werden.“

 

Aus der Sicht eines Online-Shoppers formulierte Lobo klare Wünsche: „Ich glaube, dass Paketverfolgung nur der Anfang ist. Eigentlich muss das Paket mir laufend erzählen, was auf dem Transport alles passiert.“ Überhaupt sei die Kommunikation mit dem Kunden die große Herausforderung für E-Commerce-Sendungen. „Ich möchte, dass das Paket funkelt, glitzert und blinkt – natürlich zu hundert Prozent auf meine individuellen Bedürfnisse abgestimmt. Und ich möchte, dass mich das Paket bei der Zustellung mit meinem Namen begrüßt.“ Das verlange von den Herstellern eine tiefe Integration der Verpackung in die digitalen Datenströme. Lobo: „Ich bin überzeugt, dass die Wellpappenhersteller die Richtigen sind, um diese Verpackung herzustellen.“

 

Diese Einschätzung bestätigte Dr. Jan Klingele, Vorsitzender des VDW, in der abschließenden Podiumsdiskussion. „Wir haben bereits die Grundlage für intelligente Verpackungen geschaffen, zum Beispiel RFID-Chips oder maschinenlesbare Informationen, die auf die Verpackung aufgedruckt werden“, sagte Klingele. „Wir können jede Nachfrage unserer Kunden nach intelligenten Verpackungen befriedigen.“ Ingmar Böckmann, Logistik-Experte im Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland, verwies auf den wachsenden Bedarf an marketingfähigen Verpackungen. „Immer mehr Versender wollen mit der Versandschachtel auch ihre Markenbotschaft überbringen“, so Böckmann. „Dem Verbraucher das Unternehmens- und Markenimage zu vermitteln, das wird in den nächsten zwei bis drei Jahren die wichtigste Anforderung an die Versandverpackung werden.“

 

Die ökologischen Aspekte rückte Stefan Ternes, Gründer und Gesellschafter des Online-Gewürzhändlers Pfeffersack & Soehne, in den Blickpunkt. „Wir legen großen Wert auf umweltverträgliche Verpackungen wie Wellpappe, da sie zu unseren natürlichen Produkten passen. Sie sind ein wesentliches Element für das umfassende Produkterlebnis, das wir unseren Kunden bieten“, so der Start-up-Unternehmer. Verpackungsexperte Klingele ergänzte dazu: „Verpackungen aus Wellpappe werden aufgrund des geringeren Materialeinsatzes immer leichter. Auch den Energieverbrauch für die Produktion optimieren wir ständig. Wellpappe ist zwar jetzt schon ein vorbildliches Kreislaufprodukt, aber sie wird künftig noch umweltverträglicher.“

 

Pressebilder stehen in der Bilddatenbank zur Verfügung.

 

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